Hintergrundwissen "Totalitarismus" / "totalitär"

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Was bedeutet "Totalitarismus"? Was ist "totalitär" bzw. "totalitaristisch"? Was sind Totalitäre"? Was bedeutet Totalitarismus für Information, Kommunikation und Rhetorik? Welche Psychologie steckt dahinter? ib imageberater-NRW, Agentur für angewandte Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Wirtschaftspsychologie klärt auf:

 

Der Begriff "totalitär" kommt aus dem Lateinischen von "totus", was so viel bedeutet wie "ganz" bzw. "vollständig". Unter einem totalitären Staat versteht man eine politische Herrschaft, bei der die Menschen vollständig dem staatlichen System unterworfen sind.

 

Selbst wenn ein totalitäres System sich mit dem Schein einer vermeintlichen Demokratie schmücken sollte, handelt es sich letztendlich um eine Form der Diktatur, also um eine Zwangsherrschaft ohne wirkliche Demokratie, bei dem das Volk in seinen Freiheiten in einer gewissen Art und Weise eingeschränkt wird.

 

Ein typisches Indiz für ein totalitäres System ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit bzw. des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Rede- und Denkverbote im Sinne einer von oben vorgegebenen „politischen Korrektheit“, gehen oft mit Sperrung und Löschung unbequemer Medieninhalte sowie mit einer regelrechten Sprachreinigung der Implementierung bestimmter Sprachbegriffe einher, die sich im Gehirn festsetzen - und das Denken und Handeln der Bevölkerung - lenken sollen, während politisch Andersdenkende als solche etikettiert, diskreditiert, diskriminiert und angefeindet werden.

 

Ziel der Medien- und Meinungskontrolle ist die Implementierung der eigenen „politisch korrekten“ „Wahrheit" einer Elite - auch um ein etwaiges Aufbegehren der Bevölkerung zu verhindern oder zu unterdrücken. In diesem Zusammenhang ist ein totalitäres System bestrebt, Einfluss auf die Medien (z.B. Zeitungen und Fernsehen) zu nehmen und kritische Berichterstattungen einer Zensur zu unterziehen. Kritische Medienberichte oder Kommentare werden nicht veröffentlicht, beschnitten oder gelöscht. Kritiker, die sich dennoch zu Worte melden, werden diffamiert (z.B.  über "Storytelling", das Erzeugen eines bestimmten Images, welches in der allgemeinen gesellschaftlichen Wahrnehmung als verpönt gilt oder geächtet ist. 

 

In extremen totalitären Systemen kommt es zur Verhaftung und ggf. zur Ermordung von Kritikern und Oppositionellen. Aber auch in annähernd totalitaristischen Systemen haben Totalitäre gang konkrete Vorstellungen, wie mit ihren politischen Gegnern zu verfahren ist: Etikettierung, Stigmatisierung, Diskreditierung, Diffamierung, Abgrenzung, Ausgrenzung, Ächtung, Löschung, Kündigung, Strafverfolgung etc. 

 

Ein probates Mittel zur Erreichung einer Toleranz oder Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber totalitären bzw. totalitaristischen Handlungen ist die Verwendung bestimmter Floskeln im Sinne des Primings und das Erzeugen von Involvement. Ein weiteres Mittel ist die bewusste Herbeiführung von Krisen, die dazu dienen sollen, das Volk bei Entscheidungen zu übergehen, in eine bestimmte politisch gewünschten Ziel-Richtung zusammenzuschweißen oder auseinanderzudividieren oder gar nicht erst vor die Wahl zu stellen.

 

Die vollständige Kontrolle der Medien gilt ebenso als Ideal wie die Stärkung der Staatsmacht. Daher arbeiten totalitäre Systeme an Veränderungen im Hinblick auf vollständige Machtübernahme (z.B. ohne Gewaltenteilung). Üblicherweise soll eine solche Gewaltenteilung in demokratischen Staaten dafür sorgen, dass die Staatsmacht nicht zu einseitig verteilt ist.

Erstmals verwendete der italienische Politiker und Staatskritiker Giovanni Amendola den Begriff "totalitär" in einem politischen Zusammenhang, als er den Faschismus in Italien unter Benito Mussolini als "totalitäres System" bezeichnete. Die Faschisten gebrauchten den Begriff schließlich selbst und legten ihn positiv in ihrem Sinne aus.

 

In einem totalitären Staat muss jedoch nicht zwingend ein Einzelner bzw. ein sogenannter "Diktator" oder "Tyrann" an der Spitze stehen: Totale, totalitäre oder totalitaristische Macht kann auch von einer politischen oder wirtschaftlichen Gruppierung, einer Partei, einem Bündnis, einem Geheimbund oder den Medien selbst ausgehen, sogar von Teilen der Gesellschaft, die eine bestimmte gesellschaftliche Klasse bilden, die man zum Beispiel als "Elite" bezeichnet.

 

Totalitäre oder totalitaristische Systeme involvieren sich in die Meinungsbildung der Bürger, aber gerne auch in andere Länder, Nationen und Systeme, die sie kritisieren, zu etwas drängen, nötigen und ggf. Druck ausüben.

 

Andere politische Meinungen, Werte oder Ansichten werden von Totalitären nicht geduldet. Ein totalitäres System ist bestrebt, möglichst sämtliche Bereiche des Lebens unter Kontrolle zu bekommen und unter Kontrolle zu halten. Das bezieht sich z.B. auf das Familienleben (z.B. Kontrolle durch eine spezielle Behörde), die Freizeitgestaltung (z.B. "Jungvolk" oder "Hitlerjugend"), das Gesundheitswesen (z.B. Rauchverbot, Zulassung bestimmter Medikamente und Behandlungsmethoden) sowie den Einfluss im Hinblick auf die Berufsausübung (z.B. Vorschrift bestimmter beruflicher Qualifikationen oder gar Berufsverbot).

 

Zum Zwecke einer (vermeintlich logischen) Erklärung werden sogenannte Legenden implementiert und eine "Schein-Logik" erzeugt. Ebenso wird die Kommunikation gelenkt z.B. über Neu- und Umdefinition von Wörtern sowie über die Nutzung sowie Neu- und Umbildung von Stereotype, die sich in den Köpfen festigen und hier über stereotype Kopplungen im Gehirn weiter wirken. 

 

Hinzu kommen viele weitere Wahrnehmungsfehler und Effekte, die u.a. auch sehr manipulativ eingesetzt werden z.B. um Beurteilungen zu verfälschen oder Entscheidungen zu lenken. Einige von ihnen haben eine derart starke Wirkung im Gehirn, dass Sie alle Beobachtungen und Wahrnehmungen, deren Encodierung (Entschlüsselung) und Interpretation im Gehirn sowie die daraus resultierenden Bewertungen und Entscheidungen maßgeblich beeinflussen - bei einigen Effekten sogar mit teilweise absoluter Wahrscheinlichkeit.
 
Totalitären Systeme liegen bestimmte Ideen und Überzeugungen zugrunde z.B. eine bestimmte Weltsicht oder ein bestimmtes Menschenbild. Derartige Ideen und Überzeugungen nennt man 
Ideologien. Ideologien können auch auf einer - von einzelnen Menschen oder von einzelnen Gruppen stammenden - überwertigen fixen Idee oder - im schlimmsten Fall - auf einer Form des Wahns (siehe "Wahn" / Psychiatrie) basieren (z.B. Rassen-Wahn, Allmachts-Denken, Vorstellung von einer "Heilen Welt" usw.).

 

Nicht selten besteht bei totalitären Diktatoren ein psychologischer Zusammenhang mit Persönlichkeitsmerkmalen, die dem Fachgebiet der Psychiatrie zuzuordnen sind. Nicht wenige Diktatoren bzw. Totalitäre waren Psychopathen, die letztendlich lediglich ihre Psychopathie oder andere Formen von Persönlichkeitsstörungen oder gar psychischen Erkrankungen (z.B. Schizophrenie) auslebten.

 

"Auswüchse" die auf die Erreichung einer totalen Macht hinzielen, können ggf. ber auch lediglich auf bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und entsprechenden Persönlichkeitsstörungen basieren (z.B. "Narzisstische Persönlichkeit" oder einfach nur auf Wahrnehmungsfehlern (z.B. "Heile Welt Naivitätsfehler" oder "Überlegenheitsfehler" auch "Überlegenheitsillusion" oder "Lake Wobegon Effect" genannt usw) basieren.

 

Die Ideen und Überzeugungen eines totalitären Systems sollen von allen Bürgern übernommen werden. Kritisches und selbstständiges Denken ist dabei unerwünscht. Idealvorstellung eines totalitären Systems ist die Schaffung eines "neuen Menschen", der einem bestimmten Idealbild entspricht. Diesem Idealbild werden zum Zwecke der Polarisierung und des sehr wirkungsvollen Polarisierungs-Effektes bestimmte "Feindbilder" gegenüber gestellt. Dies kann ein politisches Feindbild, ein gesellschaftliches Feindbild und / oder ein menschliches Feindbild sein.

 

Dieser Polarisierungs-Effekt dient zugleich  der gruppendynamischen Stärkung des sogenannten "Wir-Gefühls". Ziel ist die Aufhebung der sogenannten "ICH-Identität" und ein Wechsel in Hinblick auf eine neue kollektivistische "WIR-Identität", bei der nicht mehr das Individuum, also der einzelne Mensch, sondern die Gemeinschaft zählt, in der sich der Einzelne unterordnen muss.

 

Die persönliche Freiheit des Menschen wird hingegen eingeschränkt. Daher lautete eine Parole der Nationalsozialisten: "Du bist nichts, dein Volk ist alles". In der sozialistischen DDR hieß es: "Vom Ich zum Wir". Zudem werden manipulative sprachliche Begriffe implementiert und rhetorisch genutzt, die (meinungs-) bildungstechnisch gesellschaftspolitische Werte in einer ganz bestimmten Richtung interpretieren lassen, manchmal sogar völlig gegensätzlich. "Totaler Krieg" (Zitat aus der bekannten Rede Goebbels) wird dann z.B. positiv gewertet. Die Reaktion: Beifall und Begeisterung, obwohl es auf den Untergang zugeht. Viele heutige Begriffe sind bereits ebenso systemisch-strategisch behaftet.

 

Egal in welche totalitären System: Stets geht es darum, Andersdenkende aus allen bürgerlichen Schichten mundtot zu machen und ernsthafte Diskussionen zu umgehen bzw. vorzeitig zu beenden. Allein die Kontaktaufnahme zu einem "Juden" stellte im "Dritten Reich" eine Gefahr für Image, Freiheit, Leib und Leben dar. In der ehemaligen DDR gab es ähnliche Begriffe und Zuordnungen, die ihre Wirkung zeigten. In Deutschland ist das aus psychologischer Sicht gemäß Beobachtung der typischen Merkmale seit 2015 nicht anders.
 
In totalitären Systemen sollen die Menschen von Kindheit an zu möglichst angepassten Bürgern erzogen werden, die von den gesellschaftlich vorgegebenen Idealen vollständig überzeugt sind und die Regeln des Systems nicht infrage stellen. Dazu wird sogenannte "Propaganda" im Sinne der Herrschenden - und auch unterschwellige Meinungsbeeinflussung betrieben. Besonders gravierend wird sich das aus, sofern wesentliche Medien entweder in öffentlich-rechtlicher Hand sind, öffentlich rechtlich kontrolliert werden oder privatwirtschaftliche Medien politisch im Sinne des Systems unterwandert werden.

 

In den Idealvorstellungen eines totalitären Systemes geht die Kontrolle über die Menschen so weit, dass es nicht nur darum geht, wie sich die Menschen nach außen verhalten - auch ihr Denken und Fühlen soll möglichst in Übereinstimmung mit den Überzeugungen ihres Staates gebracht werden.

 

Nicht selten werden die Bürger in totalitären Systemen überwacht und bespitzelt. Kritiker der herrschenden Politik müssen mit Verfolgung und Bestrafung rechnen. In extremen totalitären Systemen werden Menschen, die sich der Regierung nicht anpassen, eingesperrt, gefoltert oder gar getötet. Die Bevölkerung wird häufig dazu angehalten oder gar gezwungen, zum angeblichen Wohl der Allgemeinheit "auffällige" Mitmenschen zu beobachten und zu verraten, damit "Staatsfeinde" bekämpft und ausgeschaltet werden können. Damit werden die Menschen eingeschüchtert. Sie passen sich den medial inszenierten Normen der vermeintlichen Mehrheit an und wirken schließlich mit.

 

Ein totalitäres System wirkt zu Beginn bzw. bei seiner Entstehung und Einführung aus der Perspektive der Bürger und ihres Zeitgeistes niemals wirklich "böse". Es ist zwar letztendlich "böse", tritt aber immer unter dem Deckmantel oder sogar Decknamen des vermeintlich "Guten", des "Heilbringers" oder des "Entwicklers" oder "Retters" auf.

 

Eine intensive Beschäftigung mit den Fächern Geschichte, Psychologie (z.B. Wahrnehmungspsychologie und Sozialpsychologie) und Soziologie hilft ebenso wie gute Kenntnisse in Sachen Kommunikationspsychologie und Rhetorikdie Entstehung totalitärer Systeme zu erkennen. Dennoch ist es - allein aufgrund des "Sozialen Einflusses") nahezu unmöglich, einem totalitärem System im Inneren zu entziehen, sofern dies nicht rechtzeitig durchschaut und bekämpft wird.

 

Um ein eventuelles Durchschauen und eine rechtzeitige Bekämpfung zu vermeiden, arbeiten totalitäre Individuen oder Gruppierungen mit dem sogenannten Krisen-Effekt. Das heißt, dass sie bestrebt sind, eine Krise herbeizuführen, weil dies die Menschen zusammenhält und den Bürgern aufgrund der Krise kaum noch Ressourcen (Mittel, Zeit und Muße ) zum Denken, Hinterfragen und Bekämpfen bleiben. Ein jeder wird dann nämlich bestrebt sein, "sein Schäfchen ins Trockene zu bekommen", womit sich der "Wolf im Schafspelz" letztendlich vollends etablieren kann.

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