Hintergrundwissen "Floskeln"

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Der Begriff "Floskel" entstammt dem Lateinischen. "Flosculus" bedeutet "das Blümchen" und steht in der Rhetorik seit der Antike für eine rein formale Redewendung. Eine Floskel ist eine Redensart, die im Prinzip jeder verwendet. Sie wird sprachlich regelrecht "nachgeäfft" und greift wie ein Virus um sich, weshalb Floskeln ganz besonders gern im Viralmarketing genutzt werden. Schließlich wirken Floskeln auf unser Unterbewusstsein. Ebenso verwenden wir Floskeln zumeist unbewusst in unserer alltäglichen Umgangssprache, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein.  

 

Viele Menschen, die im verbalen und schriftlichen Sprachgebrauch einen guten Eindruck machen wollen, verwenden Floskeln - auch, weil sie sich damit sicherer fühlen. Auch sind es Menschen, die das Gesagte nicht wirklich ernst meinen. Frage: "Wie geht´s?", Antwort: "gut". Wenn jemand sagt "Komm doch mal vorbei, wenn Du in der Nähe bist." oder "Wir können ja mal telefonieren.", ist das selten ernst gemeint.

 

Floskeln erleichtern das Miteinander und die zwischenmenschliche Kommunikation, auch dann, wenn es oberflächlich wirkt und zumeist genau so oberflächlich ist. Floskeln lenken aber auch die Kommunikation und unser Denken zum Zwecke der Persuation, allein schon dadurch, dass bestimmte Begriffs-Floskeln "in den Raum geschmissen" oder Personen zugeordnet werden (z.B. "Die Linken" oder "die Rechten").


Insbesondere in totalitären Systemen und Strukturen werden derartige Begriffs-Floskeln häufig zum Zwecke der Persuation genutzt, unabhängig davon, wie es um den realen oder tiefen Sinngehalt steht. Sie wirken u.a. über den Polarisierungseffekt, der sich schwarz-weißer Denkmuster und Stereotype bedient, die dann über den Social Cognition-Effekt (siehe "Sozialer Einfluss") auf das Gehirn und das Denken einwirken und sämtliche Urteile und Entscheidungen intuitiv über unser Unterbewusstsein steuern.

 

Die Verwendung von Floskeln kann insbesondere beim Kennenlernen bzw. Erstkontakt, dem gegenseitigen "Beschnuppern" bzw. "Warmlaufen" dienen. Man kann sehen, wie jemand darauf reagiert und auf welchem Niveau man sich bewegt. Floskeln gehören damit auch zum sogenannten "Small talk". 

 

Tatsächlich sind es nicht wenige Menschen, die mit leeren Worthülsen, formalen Redewendungen und inflationär gebrauchten Begriffen geradewegs nur so "um sich schmeißen". In Wahrheit machen Floskeln einen als Redner oder Schreiber eher klein, zumindest dann, wenn dieser aus professioneller Sicht oder von anspruchsvolleren Kommunikationspartnern beurteilt wird. Bei Menschen mit einer eher geringen Ausprägung des Intellekts wirken Floskeln besonders wirkungsvoll, aber auch bei Menschen innerhalb sozialer Gefüge und Abhängigkeiten ("Social Cognition Effect" siehe "Sozialer Einfluss" und "Soziale Wahrnehmung"). Politiker nutzen diesen Effekt daher besonders gern zur Steuerung der breiten Masse.

 

Vor einem wirklich intelligenten Publikum wirken Floskeln jedoch eher als Indiz für Persuation, Manipulation und pauschale Einfachheit. Die Nutzung von Floskeln steht nicht gerade für sprachliche Kreativität und drückt psychologisch eher das Gegenteil von Selbstbewusstsein aus. Ein Mensch, der viele Floskeln verwendet, ist scheinbar bemüht, andere Menschen nachzuahmen. Derartige Schreiber und Redner sind zumeist sehr angepasst und leider auch weniger authentisch, zumindest aus der Sicht von Menschen, die sich über das gesagte oder geschriebene Wort, hintergründige Gedanken machen.

 

Bei der breiten Masse im sozialen Einfluss wirkt die Verwendung von Floskeln hingegen - gerade wegen der Einfachheit und Angepasstheit - sehr vertraut und sogar sympathisch. Der Sprecher, der viele Floskeln benutzt, macht es den Menschen leicht, ihn zu verstehen. Die Menschen hören das, was sie hören wollen. Dadurch wirkt der Sprecher vertraut und sympathisch, quasi als "Einer wie wir".

 

Aus Sicht eines anspruchsvolleren Publikums ist von Personen, die mit Floskeln reden oder schreiben, eher wenig zu erwarten, ganz besonders kein hoher Anspruch. Manchmal kann das gut sein, z.B. dann, wenn man gerade nach derartigen Kommunikationspartnern sucht bzw. nach Kommunikationspartnern, die eher angepasst und/oder einfacher strukturiert sind und deren Erwartungshaltung und Handeln das Streben nach Gleichsamkeit, Anerkennung oder Zuschauer-Quote ist.

 

Einen sprachlich intelligenten und/oder kritischen Menschen können Floskeln geradewegs nerven, insbesondere dann, wenn eigentlich eine ernsthafte, bedeutungsvolle Antwort erwartet wird oder wenn Gefühle eine große Rolle spielen. Sprachschablonen wie Floskeln lassen keine eindeutige Stellungnahme erkennbar, obwohl die persuasiv genutzt eine eindeutige Stellungnahme darstellen und beim Rezipienten erzielen.

 

Dennoch verbreiten sich Floskeln - insbesondere durch die Unterhaltungsmedien rasant schnell, schließlich bleiben sie im Unterbewusstsein haften. Floskeln finden viele Nachahmer, wodurch sich durch ihren unbewussten, unablässigen und geradewegs fast zwanghaften Gebrauch ein regelrechtes "Papageien-Deutsch" herausbildet.

 

Die häufige und vielzählige Verwendung von Floskeln zeichnet ihren Verwender aus professioneller Sicht häufig als Menschen aus, der sich nur wenig, nicht ausreichend oder vielleicht gar keine Mühe gibt, sich mit der Sprache, sprachlichen Sachverhalten und sprachlichen Zusammenhängen auseinanderzusetzen und hinsichtlich seiner eigenen Sprachgestaltung wenig sorgfältig und präzise formuliert.

 

Eigentlich ist das schade, denn in Wahrheit wollen viele Menschen, die Floskeln verwenden, gerade durch die Verwendung derartiger Floskeln zumeist einfach nur angepasst und höflich sein. Dass manche Menschen das genau anders herum wahrnehmen und empfinden, ist ihnen zumeist gar nicht bewusst.

 

Die häufige und vielzählige Verwendung von Floskeln kann ggf. aber auch als Indiz dafür gewertet werden, dass ihr Verwender persuasive Absichten hat oder gar als Hinweis auf einen Charakter, der auf die Beeinflussung von Menschen abzielt. Im Umgang mit einfach strukturierten Menschen können Floskeln hingegen eine positive Wirkung erzielen. Floskeln vereinfachen das menschliche Miteinander, weil sie gesellschaftlich etablierten sozialen Konventionen und regelrechten Mustern folgen. 

 

Vielen Menschen geht es gar nicht darum, Zusammenhänge zu verstehen oder sich gezielt und präzise auszudrücken. Sie wollen gar nicht zum Ausdruck bringen, was sie wirklich fühlen. Sie möchten einfach nur schnell verstanden werden und möglichst mit dem Strom mitschwimmen, ohne dabei irgendeinen Gedanken an Individualität zu "verschwenden".

 

Das, was auf sichere Menschen, die sich als Individuen betrachten, dümmlich und unsicher wirkt, verleiht einfachen oder unsicheren Menschen Sicherheit. Zugleich sind Floskeln eine Ermutigung für Gleichgesinnte. Sie betonen das Wir-Gefühl, was von Gleichgesinnten widerum positiv aufgenommen wird.

 

Wie man spricht und ob man Floskeln verwendet, hängt folglich davon ab, wie man selbst von wem wahrgenommen werden möchte, wer die Zielgruppe und was das jeweilige Kommunikations-Ziel ist. 

 

Nachfolgend noch etwas zum Schmunzeln:

Fußballfloskeln,  wörtlich genommen (WDR/Sendung mit der Maus/Youtube)