Hintergrundwissen "Mobbing"

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Begrifflichkeit
Der Begriff Mobbing bzw. Mobben steht für eine Art Psychoterror, der von unterschiedlichsten Personen / Personengruppen und Hierarchien ausgehen kann.

 

Wie zeigt sich Mobbing?
Mobbing zeigt sich z.B. durch Ärgern, Schikane, Unterstellungen, Verleumdung, Verbreitung von Gerüchten, Drohung, Nötigung, Angriffe, Lächerlichmachung, ständige unberechtigte Kritik, öffentliche Häme, Demütigung, soziale Isolierung (z.B. durch Meiden oder Ausgrenzung), Unterschlagung von Informationen, Eigentumsvorbehalt, Kontaktverweigerung, Kompetenzentzug, das Stellen unerfüllbarer Ansprüche, das Setzen unmöglicher Zeitvorgaben oder die Zuweisung sinnloser Aufgaben. Dabei gilt die Natur der Regelmäßigkeit und Bündelung der unterschiedlichen Mobbing-Handlungen, der Unberechenbarkeit aus Sicht des Opfers und ggf. des Vorsatzes der Mobbing-Täter.

 

Charakter des Mobbings und Abrenzung
Mobbing bezieht sich nicht auf eine einzelne Handlung, sondern auf ein systematisches Verhaltensmuster mit Beständigkeit bzw. Wiederholungscharakter. Stets geht es um negative Handlungen, die einen aggressiven, destruktiven und feindseligen Charakter haben. Das Verhalten kann von einer einzelnen Person oder einer Gruppe ausgehen. Ebenso kann das Mobbing-Verhalten einer einzelnen Person auf andere übergreifen.
Im Arbeitsleben kann Mobbing-Verhalten von hierarchisch höher gestellten Personen ausgehen, ebenso aber von hierachisch gleichgestellten Kollegen. Manchmal geht Mobbing auch von hierarchisch unterstellten Mitarbeitern aus. Mobbing findet man nicht nur im Arbeitsleben, sondern überall dort wo Menschen verbindlich und längerfristig miteinander interagieren bzw. zusammenleben oder zusammenarbeiten müssen. Das Mobbing-Verhalten kann verbal erfolgen, paraverbal oder nonverbal ausgedrückt werden. Das Verhalten reicht von Beschimpfungen über Vorenthalten von Informationen bis hin zur körperlichen Gewalt (z.B. Verprügeln eines Mitschülers auf dem Schulhof).

 

Macht und Machtverhältnisse
Bei Mobbing wird eine Art Machtverhalten ausgeübt, bei der eine Person oder eine Personengruppe ihre vorhandene oder vermeindlich angenommene Macht an einer anderen Person in einem unverhältnismäßigen Verhältnis ausspielt oder demonstriert bzw. zur Schau stellt. Oft wird Mobbing auf real vorliegende ungleiche Machtverhältnisse zurückgeführt bzw. darauf, dass der Mobber dem Gemobbten überlegen ist. Dies muss aber keinesfalls der Fall sein (siehe hierzu u.a. die statistischen Daten), jedoch können allein die ausgeführten Mobbing-Atacken selbst dazu führen, dass sich die Machtverhältnisse - wahrnehmungstechnisch oder real - zu Gunsten der Täter ändern, zumindest wenn sich das Opfer darauf einlässt und mitspielt. Zum Mitspielen reicht allein der gezeigte Ärger oder die Hilflosigkeit aus.

 

Manchmal ist aber auch die bloße Anzahl der beteiligten Personen bzw. Tiere ausschlaggebend. Im Verlauf von Mobbing-Handlungen gibt es stets Täter und Opfer, wobei sich das Opfer erst herausbildet, weil es das Mobbing-Verhalten als solches wahrnimmt. In dieser Opfer-Rolle wird es schwierig, sich zu verteidigen. Dies trifft sogar auf stärkere Tiere zu, die von schwächeren Tieren gemobbt bzw. angegriffen werden. Mit dem Gefühl der Opfer-Rolle, das sich bei Wahrnehmung der vermeindlichen Machtverhältnisse alsbald einstellt, schwindet das Machtgefühl bzw. das eigene Selbstwertgefühl des Opfers erheblich. Insofern basiert das Resultat von Mobbing auch auf dem Phänomen der sozialen Wahrnehmung.

 

Mobbing & Gruppendynamik
Mobbing ist ein Phänomen von Gruppen und Individuen in Gruppen bzw. sozialen Konstellationen und Zusammenhängen. Neben Mobbing in Arbeitsteams gibt es folglich Mobbing in Vereinen, Mobbing an Schulen und auch Mobbing im Bekanntenkreis bzw. unter vermeindlichen Freunden. Ein besonderes Phänomen ist Mobbing im Internet, sogenanntes Cyber-Mobbing. Wo auch immer: Stets geht es darum, andere Menschen bloß zu stellen, klein zu machen oder aus Gruppen hinauszuekeln. Folglich geht es bei Psychoterror in der Arbeit darum, bestimmte Kollegen bzw. Mitarbeiter aus dem Team, der Abteilung oder dem Unternehmen hinauszuekeln, z.B. weil ein Mobber oder Mobbing-Team diese Personen nicht mag oder weil andere Gründe vorliegen.

 

Mobbing & Tierwelt: Die Entstehung des Begriffs "Mobbing"
Oft liegt Mobbing-Terror eine bestimmte Gruppendynamik zugrunde, die man bereits aus der Tierwelt kennt. Mobbing bezeichnete ursprünglich eine Form des Gruppenverhaltens bei Tieren. Geprägt wurde der Begriff 1963 durch den Verhaltensforscher Konrad Lorenz (Über tierisches und menschliches Verhalten, 1965). Konrad Lorenz bezeichnete so die Angriffe von Tiergruppen auf andere Tiere. Interessant war wie der Hass von Tieren auf andere Tiere (Fressfeinde oder überlegenen Gegner) zustande kommt z.B. Angriffe von Gänsen auf einen Fuchs.

 

Wenige Jahre später (1969) verwendete der Arzt Peter-Paul Heinemann den Begriff Mobbing für das Phänomen des Angriff von dass Gruppen auf Personen, die sich von der Norm abweichend verhalten. Menschen, die von der Norm abweichen, wurden bereits immer gemobbt - wie in der Tierwelt auch. Eine besonders schwere Form des Mobbings gegen von der Norm abweichende Personen finden wir u.a. im Dritten Reich, aber auch in anderen Kulturen: Von der Christenverfolgung im alten Rom über die Verfolgung von Juden, Zigeunern, Künstlern und politisch anders denkenden Menschen bis hin zum Mobbing sogenannter Ungläubiger durch islamistische Bewegungen.

Mobbing in reinem Bezug auf das Arbeitsleben ist durch den Arzt und Psychologen Heinz Leymann bekannt geworden, der in den 70er Jahren direkte und indirekte Angriffe in der Arbeitswelt erforschte und zu Beginn der 90er Jahre veröffentlichte.
Die Thematik erzeugte großes Interesse und wurde nun auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Mittlerweile hat sich der Begriff "Mobbing" allgemein etabliert.
Er wird jedoch auch oft missverstanden.

Mobbing & Persönlichkeit der Täter
Mobbing ist aber nicht nur gruppendynamisch (soziologisch / sozialpsychologisch) begründet. Oft ist Mobbing in der Persönlichkeit des Mobbers selbst begründet.

Neben zumeist ungegründeteten Ängsten oder Missgunst (negativer Neid) liegt Mobbing nicht selten eine gestörte Persönlichkeit bzw. eine Persönlichkeitsstörung des Mobbers zu Grunde. Manchmal steckt auch eine unbewusste psychische Erkrankung des Mobbers hinter der Tatsache, dass negative Kräfte aufgrund gestörter Selbst- und Fremdwahrnehmung oder gestörter Denkprozesse bzw. bestimmter Denkmuster frei gesetzt werden. Hinzu kommen situative Faktoren, schließlich ist Mobbing in der Regel ein komplexer psychosozialer Prozess, bei dem - neben den individuellen persönlichen Persönlichkeits- bzw. Charaktereigenschaften der Mobbing-Täter und Opfer viele weitere Faktoren mitspielen. Dazu zählt das Umfeld (z.B. das Arbeitsumfeld, organisatorische Konstellationen und Gegebenheiten, Normen und Werte von Gruppen und Individuen, individuelle und gruppenspezifische Moralvorstellungen, das individuelle und gruppenspezifische Bildungs-Niveau usw.)

 

Persönlichkeit der Mobbing-Opfer
Die individuellen Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften des Mobbing-Opfers spielen ebenso eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dies gilt - wie man aus der Soziologie und der Kriminologie weiß - auch generell für andere Opfer-Rollen, die Täter allein durch ihre Erscheinung, aber auch durch ihr detailliertes Verhalten geradewegs magisch anziehen. So auch bei Mobbing-Opfern: Im Durchschnitt sind sie zurückhaltender, ggf. introvertierter, ängstlicher, weniger dominant, ggf. unterwürfiger und konfliktscheuer. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Darüber hinaus ist stets der Gesamtkontext zu sehen. Dennoch bieten derartige Persönlichkeiten Mobbern einen ertragreichen Nährboden.

 

Mobbing-Täter auf der Suche nach einem Prügelknaben
Viele Mobber suchen sich insbesondere schwächer wirkendere Persönlichkeiten als Opfer, um sich an ihnen regelrecht sadistisch auszutoben. Hinter sadistisch anmutenden Zügen steckt jedoch häufig eine gestörte bis krankhafte Persönlichkeit (siehe Persönlichkeitsstörungen und psychische Störungen) oder ein bestimmter Charakterzug. Nicht selten geht es derartigen Mobbing-Tätern unbewusst darum, ihr eigenes schwaches Selbstvertrauen zu kompensieren. Sie benutzen bestimmte Opfer-Typen regelrecht als Projektionsfläche für eigene Spannungen bzw. ihre eigene negative Gefühlswelt. Dadurch ist für deren Opfer auch die Bezeichnung "Prügelknabe" entstanden. Derartige "Prügelknaben" sind deshalb aus der Geschichte bekannt, weil sich schon immer bestimmte Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen einen Prügelknaben suchten bzw. hielten. An diesen Opfern lebt der "Psychopath" all das aus, was er an sich selbst hasst - oder an jenen, die ihn früher selbst einmal maltretierten (z.B. in der eigenen Erziehung), sei es nun in psychischer oder körperlicher Hinsicht (z.B. Züchtigung). Dass der gestörte Mobbing-Täter im Inneren schwach ist, wird jedoch nicht bemerkt. Nach außen wird zumeist das genaue Gegenteil wahrgenommen. So treten Mobbing-Täter in der Regel sehr selbstbewusst und wenig ängstlich auf. Manche zeigen sogar ein geradewegs überzogenes Selbstbewusstsein als Indiz für ein gestörtes bzw. überzogenes Selbstbild.

 

Jeder Mensch ein potentieller Mobber?
Dennoch muss deutlich gemacht werden, dass grundsätzlich jeder Mensch zu einem Täter werden kann, wenn die Voraussetzungen dafür einen Nährboden bieten. Allein das bekannte Milgram-Experiment ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn dies eigentlich einer anderen Untersuchung diente. Das erstmals 1961 durchgeführte psychologische Experiment, das von dem Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen, zeigt, dass die meisten Menschen allein durch eine bestimmte Situation dazu veranlasst werden, sich weniger am Leiden ihrer Opfer als an der Autorität zu orientieren.

 

Auch die Nähe zum Opfer spielte hier eine bedeutende Rolle: Ohne unmittelbares Feedback der Opfer "folterten" praktisch alle Versuchspersonen ihre "Opfer" bis zur höchsten Elektro-Schockstufe. Das Milgram-Experiment bezog sich zwar nicht direkt auf Mobbing, als vielmehr auf den Einfluss von Autoritäten - dennoch wurde deutlich, dass fast jeder Mensch unter bestimmten Bedingungen bereit ist, sich gegen sein Gewissen zu verhalten und ggf. Menschen zu quälen und zu foltern, insbesondere dann, wenn eine Autorität es anordnet und das "Opfer" keine Rückmeldung gibt. Ohne eine derartige Rückmeldung entsteht eine Entfremdung.

 

Entfremdung

Entfremdung bezeichnet einen individuellen oder gesellschaftlichen Zustand, in dem eine ursprünglich natürliche Beziehung (z.B. zwischen Menschen, zwischen Menschen und Arbeit, zwischen Menschen zu sich selbst) aufgehoben, verkehrt oder zerstört wird. Durch Entfremdung nimmt das eigene Verantwortungsgefühl ab. Die Dinge wirken fremdbestimmt, der einzelne Mensch unterliegt dem Ganzen,  Selbstreflexion und Moral nehmen ab. Eine solche Entfremdung findet u.a. statt, wenn die eigenen Normen und Werte an Gruppen-Normen und -Werte abgeben werden bzw. der Autorität der Gruppe zu unterwerfen sind. Derartige Situationen gibt es z.B. im Arbeitsleben - aber auch in anderen Gruppen. Hier weicht die Moral des Individuums der Autorität bzw. den Gruppennormen bzw. der Moral der Gruppe.

Erscheint das Mobbing-Opfer, das sich eine einzelne Autorität auserkoren hat oder eine Gruppe für nonkonform zu den Gruppen-Normen und -Werten hält, noch zusätzlich schwach (z.B. zurückhaltend, schüchtern), bietet sich - auch unabhängig von Mobbern mit bestimmten negativen Charakterzügen oder Persönlichkeitsstörungen - den unterschiedlichsten Menschen ein regelrecht "animalischer" - aber eben auch menschentypischer Anlass, entsprechenden Druck auf den Einzelnen bzw. den Betroffenen auszuüben.

Besonders hoch und unerträglich wird dieser Druck durch die Eigendynamik der Gruppe an sich (Gruppendynamik). Besonders relevant wird diese Gruppendynamik u.a. im Gruppenbildungsprozess deutlich. Wer hierbei ins Fettnäpfchen tritt, wird schnell in die Rolle des Außenseiters gedrängt, weniger akzeptiert und ggf. zum Prügelknaben der Gruppe oder bestimmter Gruppenmitglieder.

 

Mobbing & Status-Denken / Mobbing & Machtkampf / Mobbing & Neid
Mobbing steht auch in einem Zusammenhang mit Status-Denken und Machtkämpfen. Status-Denken hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass Menschen soziale Wesen sind, die stets, ständig und überall in soziale Zusammenhänge eingebunden sind und dort entsprechende Rollen einnehmen. Wie im Tierreich auch, so ist die eigene Rolle in einer Gruppe nicht starr - sie kann jederzeit verändert und neu erkämpft werden. Nicht nur Tiere kämpfen um die jeweilige Rolle und die Vorherrschaft. Menschen tuen es ebenfalls, entweder über entsprechende Leistungen oder die Art, zu kommunizieren. Wie im Tierreich auch, so greifen Menschen, die ihren Status nicht über Leistung und positive Kommunikation erhöhen können, Mobbing um eine bestimmte Rolle und einen bestimmten Status zu erhalten bzw. neu zu erkämpfen.

Nicht nur im Tierreich sind Alpha-Tiere oder jene, die sich dafür halten, bestrebt sich durchzusetzen, ggf. auch durch Tarnung und Täuschung, manchmal auch durch Angriff auf andere. Insofern wirkt hier ein sehr primitiver (ursprünglicher) animalischer Urinstinkt, der im modernen Alltag schrill anmutende Formen annimmt: Mobbing.
Status basiert auf Image, also auch auf der reinen Vorstellung oder der naiven Unterstellung von Status. Letztendlich manifestiert sich Status jedoch in Verhalten. Entsprechend wie andere Menschen auftreten und sich uns gegenüber verhalten, reagieren wir - und zwar jeweils von der einen zur anderen Ebene hin. Den unterschiedlichsten wahrgenommenen Signalen der Persönlichkeit entsprechend, passen wir uns an oder begehren auf, helfen oder nutzen aus. Wer denkt, dass der Mensch dabei immer gut und gerecht ist, ist naiv.


Eine typisch Reaktion auf Status ist der Neid, insbesondere in der Form von   Missgunst. Menschen sind dafür bekannt wie schnell das Gefühl von Neid aufkommt und wie destruktiv viele auf dieses Gefühl reagieren. Wie im Tierreich, so sind auch Menschen unterschiedlichsten Status-Szenarien und entsprechenden Kämpfen ausgesetzt. Alternativ suchen manche Menschen derartiges bewusst als regelrechtes Spiel - oftmals ohne Rücksicht auf Verluste. Beim Kampf um den Status geht es um Respekt und Durchsetzung - aber auch um Sympathien. Manch ein Mobber, der einen anderen mobbt, tut dies, weil er bewusst oder unbewusst davon ausgeht, dass er durch sein destruktives Verhalten die Sympathien anderer erhält. Tatsächlich sind viele Mobber mit dieser Denke und ihrem Verhalten erfolgreich und erfahren Bestätigung. Folglich wird in bestätigendem Umfeld bzw. in einem den Mobber anerkennendem Team noch um so mehr weiter gemobbt.

 

Erleben und Verhalten der Mobbing-Opfer

Neben dem Erleben und Verhalten der Mobbing-Täter spielt aber auch das Erleben und Verhalten der Mobbing-Opfer eine tragende Schlüsselrolle. Viele machen sich durch ihr eigenes Verhalten und die ausgesendeten und von den Mobbing-Tätern wahrgenommenen und entsprechend interpretierten Signale ihrer Persönlichkeit erst zum Opfer. Andere werden widerum allein durch ihr inneres Erleben zum Mobbing-Opfer. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses innere Erleben nun real ist oder lediglich auf Beobachtungsfehlern und Wahrnehmungsfehlern bzw. einem regelrechten Phantasiekonstrukt basiert, woraus sich sogar ein Wahn entwickeln kann. Nicht selten wird dies von vermeindlichen und/oder echten Tätern unterstellt, wenn diese zur Rede gestellt werden. Nicht selten fällt die objektive Überprüfung schwer, insbesondere dann, wenn vermeindliche Täter bekräftigen, dass sich der Betroffene Mobbing lediglich einbilde. Es kommt aber auch vor, dass sich aus real vorhandenem Mobbing ein solcher Wahn entwickelt, schließlich ist der psychische Druck für Mobbing-Opfer oft erheblich hoch. Manchmal kann aber auch die psychische Konstellation des vermeindlichen Opfers selbst von vorne herein das Erleben von Mobbing erzeugen. Manchmal sindes lediglich Missverständnisse, die auf Kommunikationsfehlern oder Wahrnehmungsfehlern basieren.

 

In Verbindung mit einer bestimmten psychischen Gemütsverfassung oder in Kombination mit Stress, Beobachtungsfehlern und bestimmten Rahmenbedingungen können derartige Fehler eine eigene Realität formen, die jedoch unter objektiven Gesichtspunkten messbar nicht vorhanden ist. Ebenso können als Mobbing empfundene Situationen in Kombination mit einer bestimmten (ggf. vorsichtigen bis ängstlichen) Erwartungshaltung (Erwartungsfehler) bestimmte gewonnene Eindrücke festigen oder wahnhafte Vorstellungen hervorrufen, von denen einer kein Außenstehender mehr abbringen kann. Wie gesagt: Manchmal wird ein solcher Wahn aber auch durch durch echtes Mobbing geradewegs provoziert z.B. wenn der Gemobbte immer wieder neue Mobbing-Attacken zu befürchten hat und der Druck von außen und/oder der subjektiv erlebte Druck überaus groß ist.

 

Gesamtkontext
Um Mobbing zu verstehen, muss stets der Gesamtkontext betrachtet werden.
Dazu zählen individuelle Persönlichkeiten und die individuellen Charakter-Eigenarten, ebenso Gruppenkonstellationen, Gruppendynamik und weitere Rahmenbedingungen.

Um Mobbing objektiv zu betrachten, sollte eine professionelle Verhaltensbeobachtung, Verhaltensbeschreibung und Verhaltenserklärung sowie eine Befragung aller Beteiligten erfolgen. Leider basieren derartige Maßnahmen im Alltag z.B. im betrieblichen Alltag auf unzähligen Beobachtungsfehlern, Wahrnehmungsfehlern und Beurteilungsfehlern. Um Mobbing wirklich messbar zu machen, können Instrumente wie "Negative Acts Questionnaire", "Leymann Inventory of Psychological Terror" und das "Burnout-Mobbing-Inventar" genutzt werden. 

 

Auswirkungen von Mobbing
Der psychische Belastung, denen Mobbing-Opfer ausgesetzt sind, kann zu schweren Beeinträchtigungen der psychischen Verfassung führen, sogar zu körperlichen Krankheiten. Vielen ist gar nicht bewusst, dass Mobbing weit reichende negative Folgen für die Gesundheit mit sich bringt. Hinzu kommt, dass dowohl die berufliche als auch private Situation des Mobbing-Opfers betroffen ist. Insofern leidet das Umfeld (z.B. die Familie, das Unternehmen) mit.

Motivation und Arbeitsleistung werden verringert. Dadurch wird weniger Leistung oder Schlechtleistung erbracht. Allein das hat einen Rückkopplungs-Effekt -ähnlich einer sich Selbsterfüllenden Prophezeiung. Insbesondere in Unternehmen sollte dieser Effekt bedacht und vermieden werden. Manche Führungskräfte haben es aber genau darauf abgesehen. Andere Führungskräfte wissen mit Mobbing-Verhalten im Team nur schwer umzugehen. Sie übergehen es, negieren es, interpretieren es falsch. Manchmal werden Mitarbeiter-Gespräche geführt, die genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich beabsicht ist.

 

Regelmäßige feindselige Verhaltensmuster - und ebenso Reaktionen darauf - rufen negative Gefühle und starke Verunsicherungen bei den Betroffenen und ihr Umfeld hervor. Dies bleibt nicht ohnen Folgen für das Sozialleben (Beziehung, Partnerschaft, Familie, Freunde) und das Arbeits- und Leistungsverhalten. Konkret führt Mobbing zu Demotivation, Misstrauen, Nervosität, sozialem Rückzug, dem Gefühl der Ohnmacht, zur inneren Kündigung, zu Leistungs- und Denkblockaden und zu Selbstzweifeln an den eigenen Fähigkeiten. Ebenso kann es zu Angstzuständen, zur Konzentrationsschwäche und zu Schlafstörungen kommen. Letztendlich kann Mobbing zur Versetzung, zur Kündigung, zur Krankschreibung und sogar zur Erwerbsunfähigkeit des Opfers führen.

 

Ca. 44 % der Betroffenen werden krank, die Hälfe davon sogar länger als sechs Wochen. Dies alles stellt auch für das betreffende Unternehmen einen enormen Schaden dar. Aber auch im Privatleben sind die Folgen verheerend. Mobbing Opfer sind unausgeglichen und gereizt. Sie übertragen ihr Leiden auf ihr Umfeld. Kontakte zu Freunden werden geringer, denn was soll man schon Positives erzählen. In der Familie kommt es häufiger zu Streit und auch in der Partnerschaft läuft es nicht mehr so rund. Die Belastung wirkt sich auch auf das Sexualleben aus. Antriebslosigkeit, Gereiztheit  und Aggressivität sind keine Seltenheit. Sie überschatten das gesamte Privatleben. Nicht selten führt Mobbing auch zu Burn out und zu Depressionen. Neben dem erheblichen Verlust an Lebensqualität kommt es oftmals zu massiven gesundheitlichen Schäden.

 

Volks- und betriebswirtschaftlicher Schaden
Der volks- und betriebswirtschaftliche Schaden, der allein durch die entstehenden Kosten  entsteht, ist enorm. Er reicht weit in den zweistelligen Milliardenbereich hinein. Arztkosten, Heilbehandlungen, Kuren und Reha-Maßnahmen bilden den einen Teil, Kosten durch Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung den anderen. Hinzu kommen die Schäden für die einzelnen Unternehmen, in denen Mobber aktiv sind.
Neben der Ausnutzung bezahlter Arbeitszeit für unzählige Mobbing-Aktivitäten und entsprechende Gespräche führen Minderleistung, Schlechtleistung und Fehlzeiten zu weiteren erheblichen Schäden. Hinzu kommen Störungen des Betriebsfriedens, Störungen funktionierender Arbeitsgemeinschaften, eine hohe Fluktuations-Rate und der Image-Schaden.

 

Juristische Gesichtspunkte

Die durch Mobbing entstandenen Schäden können kaum wett gemacht werden. Die juristische Aufarbeitung fällt ebenso schwer. Sie ist kaum möglich und nur schwer beweisbar. Es gibt zwar Länder, in denen es gesetzliche Bestimmungen zum Schutz gegen Mobbing am Arbeitsplatz gibt - iIn der Regel gibt es jedoch keinen Schutz, schließlich müssen strafrechtliche Tatbestände konkret erfüllt und ZUsammenhänge nachweisbar sein. Die Tatsache, dass die bewusst geplante Herbeiführung einer Krankheit eine schwere Körperverletzung darstellt, ist juristisch nur schwer bzw. kaum (in der Realität vermutlich gar nicht) nachzuweisen. Schließlich können nur direkte Eingriffe auf die Gesundheit von außen wahrgenommen und durch Zeugen belegt werden. Indirekte Eingriffe in die Gesundheit versteht die Rechtsprechung nicht. Hinzu kommt das fehlende Schuldbewusstsein der Täter. Wer einen Menschen ärgert, geht aus juristischer Sicht nicht automatisch bzw. zwingend davon aus, dass er den Körper des anderen verletzt, von der juristisch nicht fassbaren Psyche ganz zu schweigen.

In der Regel sind weder Juristen, noch die Täter in der Lage, die Auswirkungen von Mobbing zu erkennen und die Folgen für die Psyche und auch den Körper zu verstehen. Hinzu kommt: Im Alltag kennt man vielleicht Diagnosen wie Depressionen, nicht aber die vielen anderen schwerwiegenden Folgen für die Psyche, die der Laie in der Regel an sich völlig missversteht, ggf. auch herunterspielt oder negiert. Auch alle weiteren Schäden könnenb nicht eingeklagt werden. Sie sind weder materiell noch in Bezug auf den Verursacher messbar und nachweisbar.

Mobbing in Arbeitsverhältnissen

Psychische Belastung durch Mobbing im Arbeitsverhältnis betrifft nach repäsentativen Schätzungen aus Fachkreisen ca. 1 Millionen Erwerbstätige. Hinsichtlich der Mobbing-Täter sind gemäß einer Studie (Gießener Stichprobe, Knorz und Zapf) in der Regel beide Geschlechter vertreten. Bei anderen Studien waren die Mobbing-Täter im Ergebnis überwiegend männlichen Geschlechtes, wobei die Opfer mehrheitlich Frauen waren.

 

An dieser Stelle soll jedoch darauf hingewiesen werden, dass viele Studien nicht wirklich repräsentativ sind und nicht die wirkliche Realität spiegeln. Das liegt u.a. an der höheren Sensibilität von Frauen, aber auch daran, dass sich Männer in der anerzogenen Rolle des sogenannten "starken Geschlechts" weniger gern als Opfer sehen und als solches outen wollen. Frauen sind in der Regel eher bereit, über Mobbing und ihre Opfer-Rolle zu sprechen und sich selbst psychische und gesundheitliche Probleme einzugestehen. Ebenso sind Frauen eher dazu bereit, sich Hilfe zu holen. Ohne diese Hilfe werden keine statistischen Daten erfasst. Das trifft auch auf die generelle Quote von Menschen mit psychischen Leiden zu. In der Regel sind es nur wenige Menschen, die sich überhaupt Hilfe holen. Die meisten Menschen schämen sich dafür, negieren ihr Leiden oder spielen es herunter. Insbesondere Männer weisen bezüglich des Themas ein hohes Schamgefühl auf und gestehen sich sowohl ihr Leiden als auch eine mögliche Opfer-Rolle nur schwerlich und sehr spärlich ein. Psychisch kranke Männer und männliche Mobbing-Opfer sehen sowohl im Mobbing-Verhalten als auch im Leiden einen Verlust an Stärke und ein persönliches Versagen. In Bezug auf verzerrte Statistiken kommt noch der ganz wesentliche Faktor der höheren Erwerbstätigkeitsquote bei der männlichen Bevölkerung hinzu. Dies bezieht sich insbesondere auf den Status höherer Hierarchien. Männer haben immer noch einen viel höheren Anteil an der Vorgesetztenquote.

 

Bossing & Staffing
Bei Mobbing am Arbeitsplatz wird zwischen den Begriffen "Bossing" und "Staffing" unterschieden. Bossing bezieht sich auf Mobbing-Verhalten, das von Vorgesetzten ausgeht. Für Deutschland schätzt man hier eine Quote von etwa 37 %, wobei weitere 10 % hinzukommen, in denen Chef und Mitarbeiter gemeinsam mobben. Im Gegensatz zum sogenannten Bossing bezieht sich Staffing auf Mobbing-Verhalten, das von Mitarbeitern der gleichen Hierarchie-Ebene oder einer rangniedrigeren Hierarchie-Ebene ausgeht. Bei Staffing wird die Quote, in denen Kollegen mobben, auf 44 % geschätzt, die Quote in denen Chefs von ihren Untergebenen gemobbt werden, beträgt etwa 9 %. Mehr als 20 % der Mobbingopfer nennen einen einzelnen Kollegen als Täter. Derartiges Mobbing durch hierarchisch gleichgestellte Kollegen bezeichnet man als horizontales Mobbing. Weitere 20 % der Mobbingopfer geben an, von einer Kollegen-Gruppe gemobbt zu werden. Etwa 15 % geben an, dass das Mobbing-Verhalten sowohl von Kollegen als auch von ihrem Vorgesetzten ausgeht.

 

Mobbing als Instrument

Im Arbeitsleben wird Mobbing auch als soziale Sanktion genutzt, manchmal auch um eine Kündigung seitens des Arbeitnehmers hervorzurufen. Kündigungsschutz-Bestimmungen können damit ebenso unterwandert werden wie die Zahlung von Abfindungen. Im Immobilien-Vermietungswesen gibt es ähnliche Phänomene. Hier gibt es sogar die Bezeichnung "Entmieten" und die Täterbezeichnung "Entmieter".

 

Bestimmte Fachkreise sehen in Mobbing als regelrechte Waffe im Wettstreit (z.B. im innerbetrieblichen Wettstreit um knappe Ressourcen). Hier wird um Wertschätzung und Anerkennung sowie um Hierarchien und Aufstiegspositionen gekämpft. Manchmal dient dieser Kampf allein der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes. Dementsprechend konnte beobachtet bzw. festgestellt werden, dass innerbetriebliches Mobbing in Zeiten der Rezession zunimmt und in Zeiten der Konjunktur abnimmt.

 

Betrieblicher Nährboden für Mobbing

Manchmal ist allein die Organisation eines Betriebes an sich ein regelrechter Nährboden für Mobbing, manchmal gibt es völlig unbewusst eine regelrechte Mobbing-Kultur, die auf vielen Faktoren basiert. Dazu zählen u.a.: Schlechte Organisation und Arbeitsorganisation, unzureichende bis schlechte innerbetriebliche Information- und Kommunikation, falsche Methodik und Methoden-Anwendung, schlechte Führung,  unklare Zuständigkeiten, ungerechte Arbeitsverteilung, mangelnde Handlungsspielräume oder zu hohe Handlungsspielräume, ungünstige Hierarchien, widersprüchliche Arbeitsanweisungen, Geschürte Ängste, unnötige, nicht verstandene Zwänge, Arbeits-Monotonie, Über- und Unterforderung, mangelhafte Berücksichtigung psychologischer Faktoren, Mangelnde Sozialkompetenz der Führungskräfte, Stress und fehlende Anerkennung usw.

 

Fehler in der Personalauswahl spielen hierbei eine entscheidende Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die Führungskräfte. Obwohl die Logik, die Fakten und die Erfahrungen etwas anderes sagen und man längst weiß, dass es anders viel besser geht, wird die Eignung von Mitarbeitern in Deutschland immer noch schwerpunktmäßig nach Daten (wie etwa Lebenslauf, Schule, Ausbildung, Studium, Branchenkenntnisse, Produktkenntnisse, Umsatzzahlen etc.) vorgenommen und der eignungsdiagnostische Schwerpunkt bei der beruflichen und fachlichen Eignung der Mitarbeiter gesetzt, während die Diagnostik der persönlichen Eignung das Schlusslicht bildet oderr zumeist gar nicht wirklich berücksichtigt wird.

Hinzu kommt der gravierende Fehler, die Eignungsdiagnostik mit Hilfe von Menschenkenntnis erfolgen zu lassen, obwohl Menschenkenntnis auf rein subjektiven bzw. impliziten Persönlichkeitstheorien basiert und dies allein von sich aus schwerwiegende Beurteilungsfehler impliziert, was eigentlich jeder Personalentscheider zumindest vom Grundsatz her wissen müsste. Dieses Grundsatzwissen ist scheinbar nicht überall vorhanden oder es wird scheinbar negiert.

Die Gefahr, die von Führungskräften mit schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen oder schweren psychischen Störungen ausgeht, wird zumeist überhaupt nicht berücksichtigt. Scheinbar wird sogar davon ausgegangen, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen eher selten sind. Dass jedoch das Gegenteil der Fall ist, ist vielen Personalentscheidern scheinbar ebenso nicht bekannt und bewusst wie Kenntnisse über derartige Störungen und deren Auswirkungen auf den Betriebsfrieden und sämtliche betrieblichen Abläufe.

Das einzige moderne eignungsdiagnostische Konzept (ib reality view & proof concept), welches dies alles berücksichtigt und bestrebt und in der Lage ist, aus der ungeheuerlich hohen Anzahl von Führungskräften mit destruktiven Persönlichkeitsstörungen, jene positive Persönlichkeiten herauszufiltern, die für den Erfolg eines Unternehmens und das Zusammenspiel mit Kunden und Mitarbeitern einträglich ist, macht einen eher geringen Anteil der eignungsdiagnostischen Verfahren aus, die im Groß sonst fast alle identisch sind: Auf Basis (an)werbender Stellenanzeigen und subjektiver Annahmen Bewerbungen sichten und Vorstellungsgespräche führen. Das ib reality view & proof concept geht anders vor. Es ist betrebt, positive Persönlichkeiten für funktionierende positive Unternehmernskulturen zu finden, die für das jeweilige Unternehmen einen Gewinn darstellen, der seine Wirkung über Motivation, Charakter, Intelligenz und Sozialkompetenz  erzeugt. Mobbing-Kulturen sollen dadurch von vorne herein ausgeschlossen werden. Ansätze für die Disposition für potentielles Mobbing-Verhalten können mit dem ib reality view & proof concept ebenso festgestellt werden wie messbares Mobbing-Verhalten im Bewerbungsprozess, der hier das Verhalten im Arbeitsprozess spiegelt.

 

Weitere betriebliche Faktoren, die Mobbing begünstigen sind Personalwerbemaßnahmen, das Machen falscher Versprechungen, die Förderung von Konkurrenzdenken unter den Mitarbeitern, tief greifende organisatorische Veränderungen, technologischer Wandel,  Änderung der Eigentümerstruktur, fehlende Basisarbeit, ausbleibende Identifikation von Mobbern und Unnahbarkeit der Geschäftsleitung.


Bezüglich des Betriebsklimas gilt folgender Grundsatz: Ein ungünstiges oder gar schlechtes Betriebsklima begünstigt Mobbing - und allein dadurch entsprechende Schäden, während Mobbing selbst widerum das Betriebsklima reduziert oder zerstört. 

Mobbing in der Schule

Kinder und Jugendliche in Gruppen können ebenso gemein sein wie Erwachsene, manchmal sogar noch schlimmer. Kinder und Jugendliche können regelrecht grausam sein. Schulen bieten dafür eine gute Plattform. Hier kommen unzählige Menschen zusammen, hier werden Gruppen von oben vorgegeben und natürlich gebildet.
Hier wird Mathe, Deutsch und Englisch unterrichtet, nicht aber in Menschenkunde bzw. Psychologie sowie in emotionaler Intelligenz und Sozialkompetenz.


Schätzungsweise wird mindestens jeder siebte Schüler im Laufe seiner Schulzeit Opfer von Mobbing, mindestens ebenso viele üben selbst aktiv Mobbing aus. In zwischenmenschlicher Hinsicht sind junge Menschen auf sich selbst gestellt

wenn es darum geht, sich und andere auszuloten, Machtverhältnisse auf die Probe zu stellen und Grenzen zu testen. Sie können sogar per Gesetz weiter gehen als Erwachsene. Das Jugendstrafrecht, so rechtliche Mittel denn überhaupt auf Kinder und Jugendliche angewendet werden, ist recht lasch und bietet wenig Abschreckung, was auch die Anzahl der Wiederholungstäter in Bezug auf Straftaten aufzeigt. 


Ähnlich wie im Tierreich überlässt unserer moderne Zivilisation junge Menschen in dieser Hinsicht zumeist sich selbst. Nur wenn beobachtete und beobachtete sowie bezeugbare Grenzen maßlos überschritten werden, kommen Erwachsene (Lehrer und Eltern) hinzu und ziehen Grenzen - und es scheint, als habe dieses Steinzeit-Konzept immer noch System.Das System des natürlichen Lernens und Grenzenziehens - und zugleich der natürlichen Auslese.


Hört man Jugendlichen zu, so stellt man fest, dass diese an Schulen sogar regelrechte Opfer-Spiele durchführen. Kinder, die gemobbt werden, werden von ihnen als "Opfer" beschimpft, nicht einfach nur bezeichnet. Kinder und Jugendliche lernen bereits an der Schule, andere als schwach und wehrlos zu verlachen und auszulachen, nicht aber zu helfen, Einhalt zu gebieten und einzuschreiten. Das ist Sache der Lehrer - und die sind bzw. fühlen sich sehr häufig relativ machtlos und in dieser Hinsicht nicht immer engagiert wenn es um nachhaltige Präventions- und Gegenmaßnahmen geht. Auch ein Lehrer möchte nur ungern an Beliebtheit verlieren bzw. sich gar unbeliebt machen. Wen wundert es, dass es den späteren Erwachsenen nachher an Zivil-Courage mangelt und Menschen auch im Erwachsenen-Leben zusehen, wie andere verprügelt und ausgeraubt werden.


Aufgrund des immer noch üblichen und indirekt geförderten archaischen und animalischen Lern- und Auslese-Prinzips ist die Not bei den gemobbten Kindern

und Jugendlichen oft sehr groß - und die psychische Belastung gravierender als allgemein angenommen. Die Folgen reichen von lebenslangen seelischen Schäden und der Entwicklung schwerwiegender Persönlichkeitsstörungen bis zum Suizid.  


Worüber Erwachsene manchmal lachen, das ist für viele Kinder und Jugendliche der blanke Horror. Hier geht es nicht nur um Rempeleien, das Verprügeln von schwächeren Kindern oder die Androhung von Prügeln, sondern um Gemeinsein, Ärgern und Schikanieren, ebenso um Kontaktverweigerung und soziale Isolation in der Klasse oder auf dem Schulhof. Das allein kann Kindern reichen, dass das Schulleben für sie zur Hölle wird.


Hinzu kommt das Hänseln und die blamierende und/oder demütigende Verbreitung von Gerüchten über Internet-Medien. Derartige Mobbing-Attacken werden als Cyber-Mobbing bezeichnet. Das Mobbing-Verhalten reicht hier von Diffamierung über Belästigung, Bedrängung und Nötigung bis hin zur Verzerrung der Identität oder zur Übernahme der virtuellen Identität, um in fremden Namen Beleidigungen auszustoßen oder Geschäfte zu tätigen. Neben Bloßstellung, Lächerlichmachung und Häme in der Klasse, auf dem Schulhof oder im Internet gibt es regelrechte Nötigungen und Erpressungen, ebenso systematische "Abzocke", Drohung, Erpressung, Eigentumsvorbehalt und Diebstahl mit System.


Kontaktverweigerung, Abrenzung und soziale Isolierung in der Klasse und auf dem Schulhof ist eine ebenso schlimme Sache für manche Schüler. Lehrer kümmern sich nicht darum. Sie fühlen sich zumeist nicht zuständig und bekommen so etwas oft auch gar nicht mit. Sie haben selbst genug damit zu tun, sich davor zu schützen, selbst gemobbt zu werden. Das Mobben von Lehrern durch Schüler kann ebenso schlimm sein. Es kommt nicht selten vor. Daher passen sich Lehrer oft den Schülern an - manchmal sogar über das geeignete Maß hinaus, was von außen betrachtet recht schrill anmuten mag, menschlich aber verständlich ist. Auch Lehrer sind einem großen Druck ausgesetzt - sogar von mehreren Seiten: Schüler, Kollegium, Schulleitung, Vorgaben, Gesetze, Eltern... 

Dieser Anpassungsprozess der Lehrer verläuft nicht immer bewusst z.B. zum Zwecke des Selbstschutzes oder zur Steigerung der Beliebtheit. In der Regel sind hier unbewusste Prozesse wirksam, die man mit dem generellen Sozialisationsprozess vergleichen kann.


Vieles, was Schülern und Lehrern an Mobbing-Attacken widerfährt, erleben diese nicht nur unter 4 Augen, sondern zumeist im Angesicht vieler oder aller anderen. Allein das stellt für die Psyche deinen enormen Druck dar. Das Selbstwertgefühl kann großen Schaden nehmen - sogar für das gesamte Leben. Mobbing in der Schule wird auch "Bullying" genannt. Die Täter bevorzugen vor allem schwächere und ängstlichere Opfer und geben ihnen sogar den Namen "Opfer" wenn diese Kinder passiv bleiben.

Nicht selten wird Mobbing an Schulen durch unzureichende Erziehungsmethoden, durch falsches Verhalten und Unterlassen der Lehrer oder aktive Bemerkungen von Lehrern gefördert. Das allgemeine Schulklima spielt ebenso eine wichtige Rolle wie Defizite in Persönlichkeitsstruktur und Sozialkompetenz. Schulen, die keine Mobbing-Beauftragten vorweisen und auch sonst wenig aktiv gegen Mobbing und für sozialkompetentes Verhalten tun, sollten sich einmal Gedanken machen, wo Körperverletzung beginnt und wo Grenzen zu ziehen sind. 


Es darf nicht vergessen werden, dass die Psyche ebenso wichtig ist wie der Körper an sich. Für die Gemobbten sind die Auswirkungen verheerend: Sie reichen von eingeschränktem Selbstwertgefühl, Angstzuständen und psychosomatischen Erkrankungen über Leistungsabfall, Gefährdung der Versetzung, Schulwechsel oder Schulabbruch bis zur Herausbildung schwerwiegender Persönlichkeitsstörungen.


Viele Schulen nehmen sich daher inzwischen der Problematik an und entwickeln - mehr oder weniger engagiert eigene Konzept, die manchmal sehr und manchmal weniger hilfreich sind. Eine Qualifizierung mehrerer Lehrer und Schüler zum Mobbingbeauftragten ist auf jeden Fall eine sinnvolle Maßnahme, die viel Leid ersparen kann. Die Schulungsinhalte sollten auch Schulklassen und Eltern vermittelt werden, so dass durch möglichst viele Beteiligte wertvolle Präventionsarbeit geleistet werden kann und konstruktive Unterstützung in konkreten Mobbing-Fällen erfolgen kann.


Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass keine Übersensibilisierung erfolgt wie dies in anderen Bereichen der Fall ist, in denen Hypersensitivität dann zu völlig unnatürlichem Verhalten führt. Dies wäre für das spätere Leben, das in vielen Bereichen letztendlich dem Überleben in einem Raubtierkäfig ähnelt, ebenso wenig zuträglich.

Zunahme & Entwicklung von Mobbing im gesellschaftlichen Kontext

Die Ausgangslage
Die Beobachtung, dass sich immer mehr Menschen aus ihrer subjektiven Gefühlsperspektive heraus gemobbt fühlen, ist aus psychologischer Sicht ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Tatsache, dass es tatsächlich immer mehr Menschen gibt, die andere Menschen nachweislich mobben. Insofern stellt das Thema Mobbing ein regelrechtes Phänomen dar. Mobbing ist mittlerweile sogar zu einem typisch deutschen Gesellschaftsproblem mutiert.

 

Zusammenhänge
Die Verbindung von Mobbing-Verhalten zu individuellen Mobber-Persönlichkeiten ist ebenso wenig bestreitbar wie das verstärkte Aufkommen kollektiven Mobbing-Verhaltens gegenüber Andersdenkenden. Mobbing stellt in sofern eine thematische Verbindung aus Psychologie (Persönlichkeitspsychologie, Sozialpsychologie und ggf. Organisationspsychologie) und Gesellschaftspolitik (politischer Kultur oder Unkultur) dar.

 

Abwendung von Mobbing versus Vorleben und Züchtung von Mobbing
Dabei gilt es festzustellen, dass der gesellschaftliche Trend nicht etwa in Richtung Abwendung von Mobbing, sondern in Richtung einer gesellschaftlich vorgelebten Mobbing-Förderung geht, wobei Politiker und Medien hier leider deutliche Zeichen zu Gunsten von Mobbing setzen. Zum einen wird Mobbing einseitig (z.B. berufsbezogen) dargestellt, zum anderen durch die Massenmedien geradewegs vorgelebt.

 

Vorleben von Mobbing durch Politiker und Massenmedien
Dieses Vorleben und Fördern von Mobbing erfolgt z.B. über die Darstellung unzähliger Mobbing Situationen in Filmen (ohne, dass der Begriff als solcher bezeichnert wird, ebenso durch die Darstellung von Mobbing-Verhalten von Politikern und Journalisten (z.B. informative Informationsverzerrung, persuasive Kommunikation und Meinungsmache, Diskreditierung andersdenkender Persönlichkeiten, Suche nach Fehlern bei erfolgreichen Persönlichkeiten, Beschimpfung und Verunglimpfung, Verallgemeinerung, Darstellung eines falschen Wir-Gefühls, Darstellung einer nicht ernstzunehmenden Opposition durch Begriffsbelegung, Hetzkampagnen und emotionale Bild- und Begriffsbelegung usw.)

 

Eine Strategie hinter der Zunahme von Mobbing?
Zwar gibt es seit längerem eine deutlich messbare Tendenz der Politik gegen Diskriminierung - Mobbing selbst wird hingegen gefördert und geradewegs vorgelebt. Es findet sogar eine scheinbar organisierte Verzerrung des Mobbing-Begriffes statt.

 

Hinzu kommt die sehr einseitige Auslegung von dem, was Mobbing in Wirklichkeit eigentlich darstellt: Die methodische Ausübung von psychischem Druck auf einzelne Menschen. Die Art und Weise dieses Drucks ist dabei methodisch unterschiedlich. Sie reicht  von Verleumdung und Rufmord sowie der Herbeiführung von Imageverlust bzw. eines Image-Schadens bis hin zu Isolierung des Einzelnen innerhalb einer Gruppe oder innerhalb der Gesellschaft.

 

Das besagte Mobbing Verhalten ist mittlerweile so stark, vehement und allgegenwärtig, dass viele Zuschauer und Zuhörer der Massenmedien dies mittlerweile gar nicht mehr als Mobbing oder als individuelle politisch-strategische Kampagne durchschauen. Schlimmer noch: Viele Menschen kopieren mittlerweile dieses vorgelebte Verhalten und man muss sich mittlerweile fragen, ob hier ggf. sogar eine Gesamt-Strategie dahintersteckt.

 

Mobbing ist kein Einzeltäter-Phänomen
Mobbing ist dabei kein Einzeltäter-Phänomen. Das Mobbing-Phänomen umfasst unzählige Mitläufer und damit den Sozialen Einfluss (siehe auch: Social cognition effect). Der gewaltige Effekt des sozialen Einflusses führt dazu, dass Mobbing auch als politisches Instrument eingesetzt wird, firmenpolitisch wie gesellschaftspolitisch.

 

Das Hitler-Regime im Dritten Reich hat das Konzept des Mobbings unter Nutzung des sozialen Einflusses bereits vorgelebt. Begriffe wie "der ewige Jude" oder "Untermensch" wurden damals fest in den Köpfen der Menschen verankert und an stereotypisierten Emotionsbilder gekoppelt. Auch in der heutigen Politik der Postdemokratie haben derartige Strategien wieder deutlich zugenommen. In kommunikativer und psychischer Hinsicht wird derzeit (2015) sogar jedes bisherige Maß gesprengt. Kommunikationswissenschaftler sind ebenso entsetzt wie Psychologen.

 

Psychiater und Therapeuten sind aufgrund des Ansturms der Betroffenen teilweise über Jahre ausgebucht und im Ausland schaut man mit Argwohn auf die Entwicklung in Deutschland, die stark an ferne geschichtliche Zeiten erinnern lassen.

 

Trend zum Mobbing
Der Trend zum Mobbing ist in Deutschland mittlerweile wieder so stark ausgeprägt, dass Kirchenvertreter bereits die Ankunft des sogenannten Antichristen diskutieren, während Psychologen das Phänomen mit der Zunahme und Ausbreitung gefährlicher Persönlichkeitsstörungen erklären und einige Biologen den bereits erfolgten Einsatz von Biowaffen nicht ausschließen. Die vorläufige Theorie: Erreger, die sich auf das Gehirn auswirken und die Persönlichkeit gefährlich verändern.

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