Hintergrundwissen "Persönlichkeitsstörungen"

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Persönlichkeitsstörungen sind schwere Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens. Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man, wenn bestimmte charakterliche Merkmale derart dominieren, dass dadurch Störungen im Erleben
oder in Beziehungen zu anderen Menschen (Umweltbeziehungen) eintreten.

 

Bei Störungen der Persönlichkeit weichen Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster von situationsangemessenem Erleben und Verhalten ab, wodurch die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden kann. Man spricht dann von abnormer und/oder psychopathischer Persönlichkeit (Psychopathie). Die allgemeine Begriffsbezeichnung lautet "Persönlichkeitsstörung" (personality disorder).

 

Die Abweichung von der "Norm" bezieht sich weniger auf ein konkretes Merkmal an sich, sondern vielmehr auf dessen Prägnanz und Dominanz, die auf andere Menschen irritierend oder sehr ungünstig wirken kann, einem selbst aber in keinster Weise bewusst ist. So ist z.B. Selbstunsicherheit oder eine starke Selbstsicherheit auf der anderen Seite kaum einem Menschen fremd - in extremer Ausprägung wird beides jedoch hinderlich oder störend.

 

Die Symptome und Hintergründe von Persönlichkeitsstörungen sind komplex und vielfältig. In der Psychiatrie und der klinischen Psychologie werden sie nach charakteristischen Merkmalen unterteilt und unter ICD-10 und DSM-IV geführt bzw. klassifiziert, wobei Überschneidungen vorkommen können.

Die amerikanische Psychiatrie definiert folgendermaßen:
Persönlichkeiten, die a) in ihrem Bemühen um Anpassung bei inneren und äußeren Belastungen bestimmte Verhaltens- und Reaktionsmuster aufweisen bzw. annehmen, b)  weniger mit psychischen oder somatischen Symptomen reagieren und c) weniger Angst und Leidensdruck aufweisen als Neurotiker.

Entstehung von Persönlichkeitsstörungen
Anlagefaktoren wird die größte Bedeutung für die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen beigemessen, während Konfliktreaktionen und Neurosen vorwiegend aus Umwelteinflüssen abgeleitet werden. Dies ist jedoch eine starke Vereinfachung der Problematik. Auch in der Entstehung von Neurosen sind Anlagefaktoren wirksam. Umgekehrt sind bei der Entstehung von Persönlichkeitsstörungen psychosoziale Faktoren maßgeblich. Die Dichtomie Anlage-Umwelt ist zur Unterscheidung von Persönlichkeitsstörungen und Neurosen nicht geeignet. Der Begriff Neurose findet in der modernen Klassifizierung sowieso keine Verwendung mehr. Viel entscheidender ist die Gewichtung der unterschiedlichen Faktoren, die ineinandergreifen.   

 

Persönlichkeitsstörungen, die sich bereits in der Jugend entwickeln oder im späteren Verlauf des Lebens auftreten, können sich auf Gefühle, Denken und Wahrnehmung, auf das Sozial- und Beziehungsleben und alle weiteren Bereiche des Lebens auswirken.

Je festgefahrener und verkrusteter eigene Wahrnehmungs- und Denk-Strukturen sind, desto mehr birgt dies die Gefahr von Persönlichkeitsstörungen, die Sache der klinischen Psychologie sind. Ebenso kann es - sehr häufig - zu schwerwiegenden Erkrankungen der Psyche, der Seele, des Geistes und damit auch des Körpers kommen. Dies bedarf einer fachärztlichen Behandlung, zum Beispiel durch einen Facharzt für Psychiatrie und Neurologie.

 

Diagnostik
Persönlichkeitsstörungen oder Psychopathie wird in dieser Formulierung heute nicht mehr unter Diagnose gestellt. Es liegt zumeist auch gar kein Leiden der Betroffenen vor. Betroffene, die sich - wenn überhaupt - Hilfe holen, tuen dies maximal in einem anderen Zusammenhang z.B. im Zusammenhang mit Psychosen. Aber auch in Bezug auf Psychosen sind die Betroffenen, die sich entsprechende Hilfe holen, extrem rar - und auch hier erfolgt dies zumeist in einem anderen Zusammenhang, was allein schon daran liegt, dass die Selbsterkennung und Einsicht fehlt.


Selbsterkennung
Menschen mit ernsthaften Persönlichkeitsstörungen und psychotischen Erkrankungen der Psyche können ihre Störung / Erkrankung selbst nicht sehen. Entsprechende Indizien wollen sie nicht wahrhaben, entsprechendes Feedback wird negiert. Sofern diese Menschen dennoch irgendwie den Drang nach Hilfe verspüren sollten, äußert sich das oftmals in ganz anderen Anliegen (z.B. bestimmtes Konsumverhalten, Beratung in einer ganz anderen Sache, Suche nach Lob und Bestätigung etc.).


Leider werden diese "Schein-Anliegen" von vielen nicht erkannt: Entweder weil ihnen die Grundlagen fehlen, diese Störungen zu erkennen oder weil es geschäftlich toleriert und sogar ausgenutzt wird. Letzteres ist sehr häufig der Fall. Vertrieb, Marketing und Werbung nutzen Persönlichkeitsstörungen aus und zielen mit ihren Maßnahmen bevorzugt auf diese sehr empfängliche - und dazu relativ große - Zielgruppe. Dies birgt die Gefahr, dass sich ein etwa fehl gerichtetes Selbstbild nur noch mehr verkrustet und letztendlich in eine bestimmte Richtung festigt, aus der man nur schwer bis kaum wieder herausfindet. 

 

Auch bei Berufsgruppen, die sich unmittelbar mit Persönlichkeitsstörungen und psychischen Erkrankungen beschäftigen, kann eine - wenn auch zumeist unbewusste - Tendenz festgestellt werden, ihre Klientel in ihrem Denken zu stützen bzw. zu helfen, die Störung anzunehmen und damit zu leben, nicht aber dagegen anzugehen und die Störung zu beheben. Finanzielle Aspekte wie die kassenrechtliche Abrechnung spielen hier sicher auch eine Rolle.

 

Fakt ist, das gegensteuernde Maßnahmen wie z.B. Selbstbild-Fremdbild-Konfrontationen, Provokatives Feedback Coaching oder sonstige hilfreiche aktive konfrontative Therapieformen von entsprechenden Berufsgruppen selten genutzt werden - sei es aus Angst, Hemmung, geschäftlich-abrechnungstechnischen Gründen (kann nicht abgerechnet werden und birgt die Gefahr einer unangenehmen Reaktion oder Klage) oder aus der allgemeinen eher defensiven Gesinnung des Berufsbildes heraus. Schließlich sehen sich die meisten Therapeuten eher als Beobachter, Zuhörer und Linderer und weniger als aktive Angreifer und Operateure mit Offensiv-Charakter.

 

Daher sind durchaus viele Fälle bekannt, in denen durch jahrelanges freundliches Zuhören in einer klassischen Psychotherapie nichts anderes erreicht wurde als die Annahme und Bestätigung der eigenen Persönlichkeit, die sich nun weniger zwar besser, faktisch aber immer noch gestört ist. Manche fühlen sich anschließend sogar besser in ihrer Störung. Ihr Umfeld jedoch nicht. Ursächlich ist schwerpunktmäßig aber die Grundproblematik, dass der Betroffene selbst die Verantwortung trägt. Er muss einsichtig sein, sich Hilfe suchen, die richtige Maßnahme wählen und zulassen, entsprechend mitwirken und die Maßnahme aktiv und regelmäßig verfolgen.

 

Therapeuten und Coaches sind exakt davon abhängig. Nur sehr wenige scheuen sich nicht davor, sich dem jeweiligen Fall offensiv und intensiv anzunehmen und die entsprechenden Konsequenzen zu tragen, wenn sie ihren Klienten mit der Wahrheit bzw. entsprechendem Feedback konfrontieren und dieser dann nicht mehr kommt, weil er ja eigentlich nur die positive Bestätigung für seine Persönlichkeit, sein Denken und sein Handeln suchte. Die Entscheidung zwischen Herabspielen oder Ernstnehmen von Persönlichkeitsstörungen ist insofern auch eine Frage von Moral, Mut und der eigenen Persönlichkeit und Gesinnung. 

Beispiele für Persönlichkeitsstörungen

Es gibt nicht "die" Persönlichkeitsstörung als solche, sondern nur konkrete Persönlichkeitsstörungen. Die Mannigfaltigkeit seelischer Strukturen widerstrebt eigentlich einer Typologie. Hinzu kommt, dass sich sowohl die Psychologie, als auch die Psychiatrie einer abstrahierenden Einordnung eher widersetzt. Dennoch ist die Typologie zur wissenschaftlichen und pragmatischen Verständigung notwendig. Wichtig ist aber, dass man dabei nicht nicht die Gesamtpersönlichkeit und ihr individuelles Schicksal aus den Augen verliert. Hier einige Beispiele für Persönlichkeitsstörungen:

 

Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Narzisstische Persönlichkeiten fallen z.B. durch eine extrem selbstbewusste Haltung nach außen auf. Ihr Verhalten ist verbunden mit Großspurigkeit, Selbstüberschätzung und negativer Auffassung von Kritik. Auf Kritik reagieren narzisstische Persönlichkeiten sehr empfindsam. Es mangelt ihnen an Empathie: Es fehlt die Einsicht in die Probleme und Aktivitäten anderer Menschen. Narzisstische Persönlichkeiten streben nach ständiger Anerkennung über Lob und Bewunderung von anderen. Sie streben danach, wichtig, überlegen und etwas Besonderes zu sein...

(Detail-InfosEine besondere Form der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist die...

 

Naiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
Bei den betroffenen Menschen handelt es sich um narzisstische Persönlichkeiten, die zur Ablenkung von ihrer Selbstwertproblematik den zwanghaften Drang verspüren, von anderen anerkannt zu werden, indem sie vermeintlich "Gutes" tun und die "Welt verbessern" wollen. Um von den eigenen Problemen und dem Hass auf sich selbst und das unmittelbare Umfeld abzulenken setzen sie ihren Fokus auf alles, was möglichst anders, fremd und weit weg ist (massive externale Fokussierung). In der selbst gewählten Rolle des Weltverbesserers oder Missionars sind naiv-aggressiven Persönlichkeiten bestrebt, Respekt und Anerkennung für ihr Streben oder Wirken zu erhalten, um die eigene Leere aufzufüllen. Indem sich sich mit einer fixen überwertigen Idee für eine vermeintlich gute Sache einsetzen, fühlen sie sich selbst gut und erhalten somit das Gefühl, das in der Kindheit ggf. vermisst wurde. Aufgrund ihrer Erfolgserlebnisse können ihre fixen überwertigen Ideen nahezu wahnhaft entarten (Beispiel: Adolf Hitler). Andere Ansichten verstehen sie dann nicht und lassen sie nicht gelten. Auch fehlt ihnen oft jegliches Gefühl für Verhältnismäßigkeit. Menschen mit einer naiv-aggressiven Persönlichkeit schaffen sich ihre eigenen Moralvorstellungen und vertreten diese vehement nach außen. Dabei besteht der Hang, die Lebensweise anderer Menschen zu dominieren. Dem Anschein nach verfolgen viele Betroffene humanistische, altruistische oder religiöse Lebensziele. Tatsächlich geht es aber nicht um das "Gutsein", sondern um die Aufrechterhaltung und Überspielung eines Wunschbildes, das - wie bei der narzisstischen Persönlichkeitstörung - übertrieben nach außen gezeigt wird. Hinter dem vermeintlichen Bestreben des "Gutseins" bzw. "Gutseinwollens" verbirgt sich eine egozentrische Grundhaltung und eine Selbstwert-Problematik mit einem deutlichen Hang zur Selbsterhöhung, Selbstüberschätzung und Selbstermächtigung. Aufgrund der Wahrnehmung des übertriebenen "Gutseinwollens" werden Menschen mit einer naiven Persönlichkeitsstörung umgangssprachlich auch als sogenannte "Gutmenschen" bezeichnet... (Detail-Infos)

 

Masochistische (selbstzerstörerische) Persönlichkeitsstörung
Der normale Mensch erfreut sich an den positiven Dingen des Lebens. Sich gut und glücklich zu fühlen, zählt zu den grundlegenden Lebensmotiven. Kein gesunder Mensch mag es – bis auf einige Momente des Mitleids oder Selbstmitleids – sich traurig und / oder deprimiert zu fühlen. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einer masochistischen bzw. selbstzerstörerischen Persönlichkeitsstörung. Masochistische Persönlichkeiten bevorzugen das Gefühl des Unglücks und alles, was damit in Verbindung steht. Entsprechend ist auch ihr Verhalten. Masochistische Persönlichkeiten mögen es, Opfer zu bringen, sich selbst zu opfern und akzeptieren die Ausbeutung durch andere. Auch die masochistische Persönlichkeitsstörung enthält narzisstische Züge, die auf Aufmerksamkeit aus sind und ihren Triumph darin sehen, über eigene Schuldgefühle zu triumphieren und / oder sich letztendlich durch Selbstzerstörung durchzusetzen. Einige masochistische Persönlichkeiten fühlen Befriedigung wenn sie andere mit in das angestrebte "Verderben" miteinbeziehen bzw. mitnehmen... (Detail-Infos)

 

Pseudologische Störung

Der Begriff Pseudologie stammt vom Altgriechischen "pseudos" = "falsch" und -logie. "Pseudologie" wird auch als "Mythomanie" bezeichnet: Die Begriffe beschreiben in der Psychiatrie das krankhafte Verlangen, zu lügen. In der Psychologie spricht man von einer Persönlichkeitsstörung, bei der die betroffenen Menschen erfundene Geschichten erzählen, in andere Rollen hineinschlüpfen oder sich als jemand anderes ausgeben. Der krankhafte Drang zum Lügen und Übertreiben wird auch als "pathologisches Lügen" bezeichnet. Bei dieser Störung sieht sich der Betroffene dazu veranlasst, ständig Geschichten zu erfinden und sich selbst über unwahre, manchmal groteske Erzählungen in den Mittelpunkt zu stellen. Motiv ist zumeist das Bedürfnis nach Geltung und Anerkennung... (Detail-Infos)

Querulatorische Persönlichkeiten
Querulatorische Persönlichkeiten sind rechthaberisch, fanatisch und unbelehrbar. Sie wissen grundsätzlich alles besser, selbst dann, wenn sie es nicht besser wissen. Zugleich sind sie verwundbar und sehr verletzlich. Bereits auf kleinstes vermeindliches Unrecht reagieren sie hoch empfindlich. Sie sind stets in Kampfesstimmung und warten auf entsprechende Anlässe. Ständig kämpfen sie um ihr Recht oder um generelle Rechte (z.B. der Gesellschaft). Auslöser eines q
uerulatorischen Charakters ist nicht selten eine tatsächlich erfolgte Benachteiligung, die irgendwann im Leben unrechtmäßig erfolgte oder von ihnen lediglich als unrechtmäßig empfunden wurde (z.B. eine berufliche Nichtberücksichtigung oder Zurücksetzung, eine zu harte Strafe z.B. Gerichtsstrafe, eine Übervorteilung durch andere) Beides kommt auf das Gleiche heraus. Gegen das Unrecht wird ein verbissener Kampf geführt, bei dem es weniger um eine materielle Wiedergutmachung geht, als vielmehr um das Rechtbekommen bzw. die Gerechtigkeit an sich. Das ursprüngliche persönliche Ziel verliert dabei immer mehr an Bedeutung und wird vergessen. Während der Querulant auf sein eigenes Recht pocht, respektiert er das Recht anderer weit weniger, allenfalls achtet er auf das geschriebene, gesetzlich geschützte Recht des anderen (J.E. Meyer).

 

Negativistische Persönlichkeitsstörung /
Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
 

Negative (negativistische) Einstellung bzw. abwertende Grundhaltung gegenüber - von anderen Menschen kommenden - Anregungen und Leistungsanforderungen, die sich in passivem Widerstand bzw. mürrischem bis streitsüchtigem Trotzverhalten (verbal und nonverbal) äußert. Durch unterschiedlichstes verbal und/oder nonverbales Trotzverhalten wird kontinuierlich die Kooperation behindert und Ärger ausgedrückt, wobei die Lösungsorientierung fehlt. Daraus resultierende Auseinandersetzungen und Streitigkeiten mit der Umwelt basieren vermutlich auf... (Detail-Infos)

 

Hysterische Persönlichkeiten
Hysterische Persönlichkeiten sind geltungssüchtig und möchten mehr scheinen als sie sind. Sie wollen im Mittelpunkt des Geschehens stehen, jedoch ohne eine klassische eigene Anstrengung, die üblicherweise dazu nötig ist und dazu um jeden Preis. Notfalls bedienen sie sich abnormen Verhaltens um aufzufallen und besonders beachtet zu werden. Lebhafte Phantasien und ausgeprägte Begabung zu effektvoller Selbstdarstellung kommen ihnen zunutze. Typisch sind exaltiertes Auftreten, Kokettieren, demonstratives Leiden und jede andere, sich bietende Möglichkeit, irgendwie die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt zu erregen und entsprechende Bewunderung oder Mitleid auf sich zu lenken. Hysterische Persönlichkeiten wollen nicht nur vor anderen, sondern auch vor sich selbst anders dastehen als sie sind. Das überhöhte Anspruchs-Niveau betrifft folglich nicht nur die Geltung nach außen, sondern auch das innere Erleben. Neben Geltungssucht besteht Erlebnissucht. Geltungssucht und Erlebnissucht können als Kompensationsvorgang aus einer von ihnen selbst empfundenen Insuffizienz der Persönlichkeit abgeleitet werden. In beiden Bestreben kommt die Tendenz zum Ausdruck, vor anderen und sich selbst ein Wunschbild der eigenen Persönlichkeit aufzubauen, wodurch der Eindruck des Unechten bzw. Gekünzelten entstehen kann.      

 

Sensitive Persönlichkeiten
weisen eine extrem stark ausgeprägte Selbstunsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen auf, welches sich in Bezug auf Handlungen und/oder soziale Kontakte als hinderlich erweist.

 

Paranoide Persönlichkeitsstörung
Starkes Misstrauen, Vermutung von Feindseligkeit hinter dem Verhalten anderer Menschen, selbst freundliches oder zurückhaltendes Verhalten anderer Menschen wird als feindliches Zeichen gedeutet, starke Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen, ggf. paranoide Vermutung von Verschwörungen gegen die eigene Person, Bezug externer Eindrücke auf sich selbst, Streitlust, Beharren auf dem eigenen Standpunkt. Tendenz zur Introvertiertheit, geringe Offenheit für neue Erfahrungen. Nicht zu verwechseln ist die paranoide Persönlichkeitsstörung mit der Paranoia und der paranoiden Schizophrenie...


Schizoide Persönlichkeitsstörung
Rückzug von sozialen Kontakten, sehr geringes Maß an Emotion und Freude, Hang zur Introvertiertheit (Einzelgänger), eigene Phantasien sind wichtiger als andere Menschen, geringe bzw. wenig angemessene Gefühls-Reaktion auf die Gefühle anderer. Schizoide Menschen sind zwiespältige Konfliktpersönlichkeiten, die auf der einen Seite ein kühles und schroffes Wesen zeigen, auf der anderen Seite aber überempfindlich und verletzlich sind. Ein natürlicher Kontakt zur Umwelt fällt ihnen schwer - sie bleiben eher distanziert und isolieren sich dadurch, auch, weil sie ihr Inneres vor der Umwelt verbergen. In zwischenmenschlichen Beziehungen sind sie zwiespältig und misstrauisch. Ein konfliktreiches Sexualleben, Prinzipienreiterei, Moralismus undfanatische Religiosität können bei diesen Persönlichkeitszügen häufiger vorkommen. 


Schizotype Persönlichkeitsstörung
Mangelnde Fähigkeit zu engen persönlichen bzw. zu zwischenmenschlichen Beziehungen, exzentrisches Verhalten, zwanghaftes Grübeln, Entwicklung bizarrer Ideen, Verzerrungen in Wahrnehmung und Denken, zurückgezogene, kalte, unnahbare Wirkung…

 

Dissoziale Persönlichkeitsstörung /
Antisoziale Persönlichkeitsstörung /
Psychopathische Persönlichkeitsstörung /
Soziopathische Persönlichkeitsstörung

Skizzierung: Gezielte Missachtung sozialer Normen bzw. gesellschaftlicher Regelwerke sowie der Rechte anderer, Fehlen von Schuldbewusstsein für unangebrachte Handlungen, Fehlen von Einfühlungsvermögen bzw. geringe Einfühlung in die Gefühle anderer Menschen. Geringe Schwelle zu Frustration und Gewaltausübung, unempfänglich für negative Emotionen wie Angst oder Unsicherheit, niedrige eigene Empfindlichkeit, hohe emotionale Widerstandsfähigkeit. Dissoziale Persönlichkeiten missachten Normen bzw. gesellschaftliche Regelwerke, ebenso die Rechte anderer. Die Dissoziale bzw. antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eigentlich die typischste Störung, die Soziale Inkompetenz bereits namentlich spiegelt. Dennoch können diese Menschen soziale Kompetenzen nach außen (z.B. im Vorstellungsgespräch oder im Kundengespräch) zeigen, was jedoch rein geschauspielert ist, was ihnen durchaus liegt. Dennoch: Hier geht es um alles andere als um sozial kompetentes Verhalten. Dennoch könnte es vorab so wirken, denn Dissoziale Persönlichkeiten haben zum Zwecke der Erreichung ihrer Ziele eine regelrechte "Bauernschläue" entwickelt, die sie dann, wenn sie von anderen etwas wollen, gezielt und souverän einsetzen können. Es ist dann aber lediglich gespielt und eben nicht echt. Das wahre Denken sogenannter Psychopathen oder Soziopathen ist anders: Sie verfolgen einzig und allein ihre persönlichen Ziele. Dissozialen Persönlichkeiten fehlt es nämlich an Empathie (Einfühlung / Einfühlungsvermögen). Sie können die Gefühle anderer nicht wirklich wahrnehmen und/oder verstehen. Ebenso steht es um ihre eigenen Gefühle, folglich die soziale Kompetenz im Umgang mit sich selbst. Dissoziale Persönlichkeiten denken Gefühle nur, sie fühlen sie aber nicht. Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung verstehen die Welt und ihr Umfeld als eine Art "Supermarkt", in dem sie sich als "Kunde" lediglich bedienen brauchen. Dissoziale Persönlichkeiten sind nicht therapierbar. Sich selbst halten sie für vollkommen in Ordnung, ja sogar für die "Allergrößten" und das lassen sie andere spüren. Wehe dem, der ihnen in den Weg kommt, sie kritisiert oder sie ändern will. Nicht selten verhalten sich dissoziale Persönlichkeiten unangemessen. Menschen mit einer Dissozialen Störung fehlt es an Schuldbewusstsein für unangebrachte Handlungen, an Einfühlungsvermögen bzw. Einfühlung in die Gefühle anderer Menschen. Sie sind extrem impulsiv: Es besteht eine geringe Schwelle zu Frustration und Gewaltausübung. Das Störungsbild ist interessanterweise bei Männern 3 x häufiger entwickelt als bei Frauen. Die Auslöser für diese Störung liegen meistens bereits vor Vollendung des 15. Lebensjahres.

 

Histrionische Persönlichkeitsstörung
Übertrieben emotionales geschauspielertes Verhalten mit Hang zur Dramatisierung und Extrovertiertheit. Hohes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Lob. Übertriebenes Verhalten, welches dem inneren Ziel dient, Aufmerksamkeit zu erlangen, starke Gefühlsschwankungen in kürzester Zeit, rücksichtsloses Verhalten mit hoher Impulsivität, hohe Offenheit für neue Erfahrungen, ausgeprägte Fantasien und romantische Gefühle...

 

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung / Borderline

Intensive Stimmungs- und Gefühls-Schwankungen, Selbstbild-Schwankungen, Hin- und her-Wechseln zwischen zwei Grenz-Gefühlen ohne Kontrolle von Impulsen, unbegründete Angst vor dem Alleinsein, Neigung zu unkontrollierten Wutausbrüchen, starke Unsicherheit, Führen instabiler Beziehungen. Negatives Denken und Handeln in Bezug auf die eigene Person. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung tritt oft gleichzeitig mit Narzissmus auf...

 

Hochmut

Hochmütige Persönlichkeiten kennzeichnen sich durch herablassendes Verhalten, das sich dadurch zeigt, dass sie von oben herab auf andere Menschen blicken, sich für etwas Besseres halten und nur wenig auf die Meinungen anderer geben. Hochmütige Persönlichkeiten verfügen zumeist über eine geringe Ambiguitätstoleranz: Der Umgang mit Widersprüchen oder Widerständen fällt ihnen schwer, Widersprüche können sie nur schwer ertragen. Es fehl ihnen an Herzlichkeit. Ihre Kommunikation ist recht einseitig. Kleinere Gefälligkeiten werden von ihnen verweigert. Gegen Tätigkeiten oder Arbeitsaufträge, die nach ihrer eigenen Auffassung unter der eigenen Würde bzw. unter dem eigenen Wert liegen, begehren sie auf. Insgesamt zeigen hochmütige Persönlichkeiten narzisstisch anmutende Züge (siehe dazu auch Narzisstische Persönlichkeitsstörung)... (Detail-Infos)

 

Zwanghafte / Anankastische Persönlichkeitsstörung

Übertrieben genau, perfektionistisch, ordentlich, planend, kontrollierend, stur nach eigenen strengen Regeln richtend. Hang zur Vorsicht und Pedanterie, unflexibel im Verhalten, Angst, Fehler zu begehen, starke Zweifel, rationales Verhalten, Schwäche, eigene Gefühle zu äußern... 

 

Vermeidende Persönlichkeitsstörung/
Ängstliche Persönlichkeitsstörung

Übermäßige Anspannung, Unsicherheit und Besorgtheit, geringes Selbstvertrauen, Minderwertigkeitsgefühle, übertriebene Angst vor möglichen Gefahren, Streben nach Akzeptanz, Zuneigung und Sicherheit, empfindlich gegenüber Kritik und Abweisung, Gefahr der sozialen Isolation durch Vermeidungsverhalten...

 

Abhängige Persönlichkeitsstörung

Gefühl der Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit und Inkompetenz, Verlassen auf die Entscheidungen anderer, geringes Selbstbewusstsein, durchsetzungsschwach, passiv, Trennungsängste, klammerndes Verhalten, Unterordnung eigener Bedürfnisse...

 

Körperdysmorphe Störung / Dysmorphophobie
Erleben des eigenen Körpers bzw. bestimmter Körperpartien als hässlich oder abstoßend, exzessive Beschäftigung mit einem vermuteten, jedoch unbegründeten Mangel oder einer vermuteten Entstellung im körperlichen Aussehen. Bereits leichte körperliche Veränderungen oder markante Körper-Partien werden als anormal oder als peinlich empfunden, übertriebener Hang zu kosmetischen Behandlungen und plastischen Operationen... (Detail-Infos)

Multiple Persönlichkeitsstörung / Ich-Spaltung /
Doppelte Persönlichkeit 

Unter diesem Begriff werden mehrfach hintereinander auftretende Zustände verstanden, in denen ein Mensch ein sicheres Identitätsgefühl mit dem eigenen Ich besitzt, jedoch von der jeweils anderen Existenzform keine Kenntnis besitzt. Der soziale Charakter einer Person orientiert sich (nach Jung) einerseits nach den sozialen Bedingungen und Notwendigkeiten, andererseits nach den sozialen Absichten und Bestrebungen der jeweiligen Person. Während man früher (H. Schüle, 1880) von einer Ausdrucksform der Hysterie sprach, wird heute von einer multiplen Persönlichkeitsstörung oder Ich-Spaltung gesprochen...

 

Depressive Persönlichkeiten
sind eher still und zurückhaltend, wirken gehemmt und bedrückt, äußern sich vielfach pessimistisch oder zumindest skeptisch. Sie erwarten eher weniger vom Leben. Von sich selbst sprechen sie weniger bisselten, was dazu führt, dass ihre Umgebung kaum etwas von ihrem stillen Leben erfährt. Die depressive Struktur kann sich hinter einer Maske scheinbarer Gelassenheit und Ausgeglichenheit verbergen. Daneben gibt es auch missmutig depressive Persönlichkeiten: Ihr Pessimismus hat einen mürrischen, nörglerischen und sarkastischen Zug. Beruflich solide und fleißig, sind sie dennoch eher auf Unauffälligkeit bedacht. Dadurch erreichen sie seltener gehobenere Positionen. Menschen mit einer depressiven Persönlichkeiten sind von Menschen mit depressiven Psychosen (endogene Depression, Melancholie) zu unterscheiden. Zwischen beidem gibt es - trotz der ähnlich klingenden Bezeichnung - keine Beziehung. Insofern ist die Bezeichnung dem Grunde nach irreführend, jedoch gebräuchlich. Depressive Persönlichkeitsstrukturen und depressive Charakterneurosen sind jedoch ähnlich bzw. gleich, nur mit dem Unterschied, dass bei der depressiven Neurose (oder neurotische Depression) auch entsprechende Krankheitssymptome (klinische Symptome) hinzukommen können. Die Abgrenzung ist jedoch unscharf...

 

Hypertyme Persönlichkeiten
zeigen eine oberflächlich heitere Grundstimmung, ein lebhaftes Temperament und eine gesteigerte Aktivität, vor allem in Form von Redseligkeit und Betriebsamkeit. Insofern bilden hypertyme Persönlichkeiten das Gegenstück zu depressiven Persönlichkeiten. Die Auffälligkeiten des Erscheinungsbildes ähneln der Symptomatik einer leichten manischen Welle (siehe Manie). Bei leichterer Ausprägung können hypertyme Persönlichkeiten beliebte Gesellschafter und aktive Betriebmacher sein. Zugleich können sie durch ihr überschäumendes Temperament, ihre Distanzlosigkeit und ihre ständige Unruhe aber eine starke Belastung für ihr Umfeld darstellen, je nachdem wie das jeweilige Umfeld gestaltet und ausgeprägt ist. Viele Hypertyme sind  extrem geltungsbedürftig und streitsüchtig, damit eher unverträglich. Sie geraten häufig in Konflikte und verstricken sich in diesen. Mangels Einsicht ist eine Behandlung nicht möglich.

 

Haltschwache Persönlichkeiten
sind recht willenssschwach und ihren Neigungen und Strebungen mehr ausgeliefert als andere. Sie können ihr Handeln nur wenig zielgerichtet steuern. Dabei fehlt es weniger an der nach außen gerichteten Willenskraft bzw. der Entschluss- und Durchsetzungsfähigkeit, sondern vielmehr an der inneren Willenshaltung, welche die Aufgabe hat, die Strebungen und Triebe zu organisieren und auf erreichbare Ziele auszurichten.

 

Gemütsarme Persönlichkeiten
Gemütsarmen Persönlichkeiten mangelt es an der Fähigkeit zu gemeinsamem Erleben und Mitfühlen mit anderen Menschen. Sie sehen in Mitmenschen mehr das Objekt ihrer Wünsche als die eigentliche Person und Persönlichkeit. Sie sind kalkuliert und auf ihren Vorteil bedacht - und bereit, diesen Vorteil ggf. rücksichtslos durchzusetzen. Das Empfinden von Mitleid, Dankbarkeit, Liebe und Treue sowie von Angst und Schuld sind ihnen fern. Damit sind sie zu tieferen zwischenmenschlichen Beziehungen kaum fähig. Ihr Sexualleben ist häufig gekennzeichnet durch sadistische und deviante Verhaltensweisen. Im Extremfall neigen sie zu Sexualmord: Insbesondere unter Gewalttätern und Mördern findet man viele gemütsarme Persönlichkeiten. Dennoch sind gemütsarme Persönlichkeiten nicht immer dissozial und kriminell...   


Asthenische Persönlichkeiten
Asthenische Persönlichkeiten weisen einen Mangel an Spannkraft, geringer Ausdauer und einem vorherrschenden Gefühl der seelisch und körperlich empfundenen Schwäche auf. Sie sind rasch müde und erschöpft, ohne dass hierfür körperliche Auffälligkeiten nachzuweisen sind. Häufig sind ausgeprägte vegetative Labilität und Schlafstörungen. Früher nannte man diesen Zustand Neuropathie oder Neurasthenie. Asthenische Menschen können sich nur schwer durchsetzen und ihre Belange erfolgreich vertreten, geschweige denn, sich gegen ihre Umgebung auflehnen.

 

Bei Belastungen im persönlichen, familiären oder beruflichen Bereich können asthenische Persönlichkeiten immer wieder versagen. Dies kann zu depressiv-ängstlichen Verstimmungen wie vegetativen Störungen führen. Bei der Konsultation von Ärzten werden zahlreiche Klagen über das körperliche Befinden vorgebracht, denen kein organischer Befund entspricht. Gern wird dies mit Hypochondrie verwechselt (Befürchtung von Krankheit). Es handelt sich aber mehr um eine vegetative Funktionsstörung. Die Entstehung ist noch wenig geklärt. In den Anamnesen fällt auf, dass Menschen mit einer asthenischen Persönlichkeit früher als Kind einem bestimmten fürsorglichem Verhalten der Eltern entlastend ausgesetzt waren. Die Fähigkeit zur (z.B. direkten und radikalen) Auseinandersetzung mit der Umwelt wurde nicht oder nur wenig gefördert. Seligman spricht hier von gelernter Hilflosigkeit.

 

Kombinierte Persönlichkeitsstörung

Symptome sind nicht klar einer oder mehreren Persönlichkeitsstörungen zuzuordnen. Sie zeigen verschiedene Merkmale. Es treten Überschneidungen unterschiedlicher Störungen auf. Eine besondere Form der kombinierten Persönlichkeitsstörung ist Dekadenz.


Dekadenz als Persönlichkeitsstörung und Gesellschafts-Phänomen

"Dekadenz" umschreibt nicht nur eine bestimmte Form der Persönlichkeit, die dekadenten Denk- und Handlungsmustern folgt: Individuelle Dekadenz steht in einem Kontext mit einer (bereits) degenerierten bzw. sich degenerierenden Gesellschaft. Insofern liegt hier - und das macht die Störung besonders - eine ganz besondere Wechselwirkung vor, die in dieser Form bei anderen Störungen nicht vorliegt. Dekadente Denk- und Handlungsmuster werden von der Gesellschaft auf den Einzelnen übertragen, ebenso von vielen gleichgearteten Individuen auf das Kollektiv bzw. die Gesellschaft. Dekadenz steht stets in einem Zusammenhang mit besonderem Wohlstand und einem bestimmten Gefühl der Sicherheit, aus dem sich eine spezielle Wahrnehmung und daraus resultierende Denk- und Handlungsmuster ableiten. Im Rückblick auf die Geschichte der Dekadenz wirken hier unterschiedliche Persönlichkeitsstörungen in einer Art Kombination (siehe auch kombinierte Persönlichkeitsstörung). Besonders hervorzuheben sind hier insbesondere die naiv-aggressive Persönlichkeitsstörung sowie die masochistische (selbstzerstörerische) Persönlichkeitsstörung, die beide auf der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung basieren. Beide Störungen sind Produkte gesellschaftlicher Veränderungen, jedoch mit einem Unterschied. Während angesichts der Wechselwirkung von Anlagen, Umwelt und Selbststeuerung bei der naiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung insbesondere Umwelteinflüsse eine größere Rolle spielen, scheinen es bei der masochistischen Persönlichkeitsstörung überwiegend Ich-Faktoren zu sein, die lediglich von der Umwelt zugelassen, angeregt und gefördert werden...  (Detail-Infos   

Ausbreitung und Zunahme von Persönlichkeitsstörungen in Form einer Epidemie

Gesellschaftliche Sichtweise

Mit der Feststellung einer abnormen Persönlichkeit oder Psychopathie verbindet die Gesellschaft eine Abwertung (Störenfriede, Soziopathen, Anethopathen, social parasitism, moral defective etc.) Der Begriff des Psychopathen ist sogar zu einem Schimpfwort geworden. Die Psychatrie hat diesen Begriff jedoch immer völlig wertfrei vertreten.

 

Kevin Dutton (Promovierter Psychologe und Research Fellow am Faraday Institute des St. Edmund´s College der Universität Cambridge und Lehrbeauftragter an der University of Western Australia in Perth) schreibt in seinem Buch "The Wisdom od Psychopaths" Menschen mit einer schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung sogar positive Eigenschaften zu. Auf jeden Fall räumt er mit Vorurteilen auf und gibt dem Thema eine neue Sichtweise.

 

"Natürlich sind Sie kein Psychopath. Vielleicht sind Sie eine Führungskraft oder ein sehr spiritueller Mensch. Sie haben Charme, Sie sind unerschrocken und risikofreudig, können harte Entscheidungen treffen. Sie sind sehr aufmerksam und können sich gut auf ein Ziel konzentrieren. Sie werden feststellen, dass das Eigenschaften sind, die Sie mit Psychopathen teilen. Selbstredend sind diese Eigenschaften nützlich, wenn man ein Serienmörder werden will. Aber auch im Gerichtssaal, in der Wirtschaft oder im OP. Oder im Leben eines Heiligen. Jede Medaille hat zwei Seiten. Psychopathen gelten landläufig als schwer gestörte Menschen. Zur Einschätzung von solchen Persönlichkeiten wird die Psychopathy Checklist, kurz PCL, eingesetzt. Wer mehr als 75 Prozent der Merkmale erfüllt, gilt als Psychopath. Es ist nicht überraschend, dass sich die größte Dichte an Psychopathen in den Hochsicherheitstrakten findet. Aber nicht nur Kriminelle, sondern sehr viele »normale« Menschen haben das eine oder andere Merkmal von dieser Liste. Und einige wirken keineswegs zerstörerisch, sondern dienen der Gesellschaft, indem sie besondere Aufgaben besonders gut erfüllen." (Kevin Dutton)

Gemäß der Sichtweise von Kevin Dutton kann man sich folglich fragen, was man von Menschen lernen kann, die psychopathische Eigenschaften besitzen, zumindest dann, wenn diese sie eben nicht zerstörerisch, sondern konstruktiv einsetzen. Eine überhohe Sensibilität hat in manchen Lebenslagen und beruflichen Tätigkeiten ebenso nützen wie narzistische Züge. Man könnte sogar sagen: Ohne starke Ausprägung narzistischer Züge kann ein Künstler, Schauspieler oder Politiker nicht wirklich extrem erfolgreich werden. Im Umkehrschluss fällt auf, dass sehr bekannte Persönlichkeiten in diesen Berufen sogar für entsprechende Charakerausprägungen bekannt sind. Nur durch die starke Ausprägung psychopathischer Charaktereigenschaften konnten gewisse berühmte Persönlichkeiten durch ihr Wirken - ob positiv oder negativ bzw. mehr oder weniger erfolgreich - überhaupt erst berühmt werden.

 

Auch in der modernen Personalauswahl weiß man, dass sich bestimmte Persönlichkeitsstörungen positiv auf bestimmte Berufsausübungen auswirken können, während andere störend bis zerstörend sind. Nicht selten führt die unterlassene oder falsche Berücksichtigung von Persönlichkeitsstörungen bei der Eignungsdiagnostik zu gravierenden Schäden. Alternativ werden wertvolle Potenziale nicht gewinnbringend ausgeschöpft. Nur das ib reality view & proof concept macht Persönlichkeitsstörungen in der Eignungsdiagnostik sichtbar und berücksichtigt dies entsprechend zu Gunsten des Unternehmens, welches nach dem Konzept arbeitet. Das Konzept wurde über einen Zeitraum von 15 Jahren entwickelt. Entwickelt wurde das Konzept von Andreas Köhler unter Nutzung psycho- bzw. neurolinguistischer Grundlagen und unter Berücksichtung der Erkenntnisse der Persönlichkeits-, Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Sozialpsychologie und der modernen Neurowissenschaften. Ausgangslage war eine bessere und sichere Eignungsdiagnostik für Sicherheitsberufe. Das Konzept ist jedoch für alle Berufe und Positionen gleichermaßen anwendbar.

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