Hintergrundwissen "Intelligenz"

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Intelligenz ist in der Psychologie ein Sammelbegriff für die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen (Leistungsfähigkeit des Denkens).

 

Dazu zählt das Vermögen, die Welt um sich herum richtig wahrzunehmen,

schnell richtige Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, logisch und folgerichtig

zu denken und das eigene Denken in zielführendes erfolgreiches Verhalten umzusetzen.

 

Seit Jahrhunderten diskutieren Wissenschaftler rund um den Erdball nach einer treffenden Definition. Wer hundert Experten fragt, erhält fast ebenso viele unterschiedliche Antworten. Bis heute gibt es weder eine einheitliche Definition,

noch Einigkeit darüber wie sich die Intelligenz bestimmen und die einzelnen - unterschiedlich stark ausfallenden - kognitive Fähigkeiten zu unterschieden sind.

 

Seit der griechischen Antike werden die unterschiedlichsten Auffassungen diskutiert und noch heute streiten sich die Wissenschaftler. Es gibt die unterschiedlichsten Intelligenz-Theorien und ebenso unterschiedlichste Versuche der Messbarmachung.

 

Ganz allgemein ist Intelligenz die Umschreibung für die Fähigkeit, sich möglichst schnell und flexibel in neuen Situationen durch Einsicht zurechtzufinden und Aufgaben durch Denken (und nicht durch Erfahrung) zu lösen.


Es geht folglich um das schnelle Erfassen von Beziehungen und deren Kombination. Die Fähigkeit zum Wechsel der perspektivischen Blickrichtung z.B. ein neuer Blick auf ein bestehendes Problem und das schnelle Finden einer Lösung zählt dazu, jedoch ohne etwas auszuprobieren und vorher zu lernen. 

 

Der pragmatischen Einfachheit halber wird gern auf eine Definition des US-amerikanischen Biochemikers und Science-Fiction-Autors Isaac Asimov zurückgegriffen: "Intelligenz ist das, was der Intelligenz-Test misst." In solchen Tests werden bestimmte Eigenschaften untersucht und als Zahlenwert dokumentiert, der sogenannte Intelligenzquotient (IQ) mit einem Durchschnitt von 100. Ein Intelligenztest dient dazu, die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zu erfassen und es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Tests für unterschiedliche Zielgruppen und Anwendungsfälle.

Ein derartiger IQ Test kann zwar Unterschiede aufzeigen, liefert aber noch lange keine Antwort auf die Frage, was Intelligenz ausmacht. Einige Forscher gehen von einem einzigen, bereichsübergreifenden Intelligenzfaktor aus, dem sogenannten "Generalfaktor g". Aufgestellt wurde die These 1923 von dem Psychologen Charles Spearman, der durch den Vergleich verschiedener IQ-Tests herausfand, dass es zwischen fast allen Abschnitten innerhalb eines Tests einen Zusammenhang gab, den Faktor "g". 

 

Spearmans These war jedoch umstritten und Folgeuntersuchungen seiner Kollegen führten zu abweichenden Ergebnissen und damit zu weiteren Faktor-Theorien. (Dabei ist unumstritten, dass Menschen ihren Verwandten bezüglich "g" ähnlicher sind. Unklar ist hingegen, inwiefern biologische oder soziale Faktoren die Ursache für diese Ähnlichkeit sind. Es besteht zwar weitestgehend Einigkeit darüber, dass beide Faktoren eine Rolle spielen, aber erhebliche Uneinigkeit darüber, wie stark der jeweilige Einfluss ist. Ebenso unterschiedlich interpretiert, werden die Studien zur Erblichkeit von "g").

 

Andere Wissenschaftler wiederum halten einen allgemeinen Faktor für nicht ausreichend. Sie befürworten ein ganzes Spektrum voneinander relativ unabhängiger Intelligenz-Formen - allein schon deshalb, weil das Gemessene (im Schwerpunkt mathematisch und sprachlich) nichts über die überlebenswichtige Fähigkeit aussagt, mit sich selbst und anderen Menschen zurecht zu kommen, sich gut zu bewegen oder andere bestimmte Dinge gut zu können z.B. zu musizieren, zu gestalten, zu schreiben usw...

Der amerikanische Psychologe Howard Gardner plädiert für das Konzept der "Multiplen Intelligenz", nach dem verschiedene, unterschiedlich gut ausgeprägte Fähigkeiten zusammen die intellektuellen Möglichkeiten eines Menschen ausmachen. Demnach wird zwischen unterschiedlichen Intelligenz-Formen unterschieden. Dazu zählt z.B. auch die musikalische Intelligenz oder die Bewegungsintelligenz.

Eine weitere Form ist die "Emotionale Intelligenz". Demnach bestimmen Denken und Fühlen als Einheit über die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen. Wer denkt, dass alles das von sogenannten IQ-Tests einfach so gemessen werden kann, irrt. Dennoch herrscht dieser Irrglaube - trotz aller Erkenntnis und Logik - immer noch vor. Daher werden immer noch Intelligenz-Tests durchgeführt bzw. vermarktet, die nach aktueller Erkenntnis eigentlich keine Grundlage mehr darstellen.

 

Schwerpunkt-Quelle der Forschung in Bezug auf Intelligenz ist die Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie. Hier wird Intelligenz als Teilbereich der Persönlichkeit gesehen, in Fähigkeiten wie Denkvermögen, Auffassungsgabe, Rationalität, Logik, Urteilsvermögen eingeteilt und von anderen Konstrukten der psychologischen Forschung z. B. der "Kreativität" abgerenzt.


Aus der Grundlagendisziplin der Differentiellen Psychologie geht die Intelligenzdiagnostik bzw. die Psychometrie hervor. Hier bemüht man sich darum, quantitative Unterschiede der Intelligenz zwischen Menschen festzustellen. 

Intelligenz steht in Verbindung mit der eigentlich antiquierten Form der Intelligenz-Messung in Verbindung mit einer Reihe Variablen z.B. mit Krankheiten oder Schulnoten. Demnach leben intelligente Menschen- statistisch betrachtet - in der Regel gesünder und haben eine höhere Lebenserwartung, sind jedoch häufiger kurzsichtig. Besonders hoch begabte Menschen und Menschen mit einer eher niedrigen Intelligenz leiden häufiger an psychischen Störungen wie z.B. einer Schizophrenie als andere Personen. Auch sind ausgeprägt intelligente Menschen oft schulisch erfolgreicher als weniger intelligente Menschen. Hinzu kommt, das Menschen mit einer extrem ausgeprägten Intelligenz im Durchschnitt höhere berufliche Positionen besetzen. 

 

Obgleich zwischen gemessener Intelligenz und dem Urteil von Lehrern über das intellektuelle Niveau des Schülers statistisch betrachtet eine hohe Verbindung besteht, muss berücksichtigt werden, dass das Urteil des Lehrers sich an den Kriterien von Intelligenztests orientiert. Intelligenztest erfassen aus dem gesamten Spektrum der menschlichen Begabungen überwiegend diejenigen, die es einem Menschen ermöglichen schulisch erfolgreich zu sein.

 

Zu berücksichtigen gilt auch, dass die Notengebung ein subjektives Konstrukt darstellt, das unzähligen Beobachtungs- und Wahrnehmungsfehlern unterliegt (z.B. Bedrohung durch Stereotype, Pygmalion-Effekt, Rosenthal-Effect / Selbsterfüllende Prophezeiung, YAVIS-Prinzip, Primacy-effect, Skalierungsfehler, Sympathie-/Ähnlichkeitsfehler, Milwaukee Project-Effect-Fehler etc.)


Wenn wir hier in Bezug auf statistische Zusammenhänge von "Intelligenz" sprechen, sprechen wir von gemessener Intelligenz - und zwar nach den alten, nicht mehr aktuellen Kriterien. Legt man nämlich andere moderne Messungen bestimmter Intelligenz-Formen zu Grunde, stellt man fest, dass einige der o.g. Zusammenhänge nicht mehr stimmig sind. So konnte z. B. festgestellt werden, dass gerade hoch begabte Kinder eben nicht immer die besten Schulnoten haben, manchmal sogar schlechte. Demnach 
sind ausgeprägt intelligente Menschen schulisch eben nicht zwingend erfolgreicher als weniger intelligente Menschen.

 

Aufgrund des Bewertungssystems und der Beobachtungs-, Beurteilungs- und Wahrnehmungsfehler von Lehrern, die in diesem Zusammenhang (Beobachtung, Beurteilung und Wahrnehmung generell + Wahrnehmung hochbegabter Kinder) bislang noch nicht oder nicht hinreichend geschult wurden, haben hochbegabte Kinder, deren Intelligenz nach anderen und moderneren Kriterien gemessen wird, eben nicht einen besonders guten Erfolg in der Schule, oft sogar enorme Schwierigkeiten. Auch im beruflichen Kontext: Misst man anders z.B. mit dem innovativen psychologisch-eignungsdiagnostischen ib reality view & proof concept stellt man fest, dass Menschen, die höhere berufliche Positionen besetzen bzw. besetzen wollen, eben nicht über eine höhere Intelligenz verfügen. Sehr häufig fallen sogar starke Widersprüche bzw. Differenzen auf.

 

Auch bei der Suche nach anatomischen und physiologischen Grundlagen steht die Intelligenz-Forschung noch am Anfang. Dennoch sind Wissenschaftler bereits in der Lage, einige Denkprozesse im Gehirn sichtbar zu machen. So lassen sich Areale geistiger Aktivität (z.B. über den jeweiligen Zuckerverbrauch) bestimmen und es können Magnetfelder gemessen werden, die sich bei Denkprozessen verändern (MRT). Demnach können intelligente Menschen Informationen schneller aufnehmen, mehr Informationen im Kurzzeitgedächtnis speichern und schneller wieder abrufen. Dabei verbrauchen sie weniger Energie und können die Aktivitäten in der Großhirnrinde besser auf bestimmte benötigte Areale konzentrieren während durchschnittlich intelligente Menschen mehr Zeit benötigen, um ihr Gehirn hochzufahren und dazu zusätzlich Gehirn-Areale aktivieren müssen, die mit der eigentlichen Aufgabenstellung nichts zu tun haben.

 

Klar ist: Mehr Gehirn bedeutet nicht gleich mehr Grips bzw. eine höhere Intelligenz. Eine optimale gut ausgeprägte Verknüpfung und Kommunikation zwischen bestimmten Gehirnwindungen jedoch schon. Hinzu kommen jedoch noch viele weitere Faktoren z.B. der gesamte Input und dessen Verarbeitung. Wie und wie umfangreich und qualitativ hochwertig dieser Input geschieht, entscheidet ebenso mit wie die Prozesse der Informationsverarbeitung selbst, aus denen dann wieder (gute, ungünstige, falsche oder keine) Verknüpfungen resultieren. Im Detail ist dies aber noch nicht ausreichend erforscht und es ergeben sich fast täglich neue Erkenntnisse.

 

Auch die Biologie (insbesondere die Fachgebiete Genetik und Epigenetik) befasst sich mit dem Thema Intelligenz. Epigenetik beschäftigt sich mit Vorgängen, die außerhalb der Genregulation der Genexpression wirken, diese aber beeinflussen. Sie untersucht, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle zeitweilig festlegen und ob bestimmte Festlegungen an weitere Generationen vererbt werden.

 

Entsprechend neuer Erkenntnisse hängt Intelligenz auch von den Genen ab, ebenso davon, wie diese genutzt werden und sich die Zellen im Laufe des Lebens verändern bzw. wie sie sich an die entsprechende Umgebung, die Umstände und die individuellen Erfordernisse und Notwendigkeiten anpassen. Wie intelligent ein Mensch ist, hängt demnach nicht nur davon ab, ob er entsprechende Gene besitzt, sondern auch davon, ob sie entsprechend genutzt bzw. entsprechend "eingeschaltet" oder "abgeschaltet" werden, also ob sie gefördert werden oder eher ungenutzt verkümmern und sich zurückentwickeln. In so fern ist Intelligenz nicht statisch, sondern ein dynamischer Anpassungsprozess unserer Gene, die sich an unsere konkreten Umweltbedingungen und die individuellen Erfordernisse anpassen.

Folglich kann ein Mensch, der sich täglich auf Neue hohen intellektuellen Anforderungen stellt (z.B. täglich aufs Neue selbstständig mittels kognitiver Denkprozesse bzw. Verarbeitungsprozesse Probleme löst) eine höhere Intelligenz entwickeln als ein Mensch, der das nicht tut bzw. muss (z.B. weil ihm alles in den Schoß fällt, weil er delegiert, weil er nicht so stark von Feedback abhängt etc., weil es keine Probleme bzw. Herausforderungen gibt, weil Barrieren, Hürden, Hindernisse fehlen etc.).

 

Die biologische Grundlage für Veränderungen der Intelligenz sind Veränderungen an den Chromosomen, wodurch Abschnitte oder ganze Chromosomen in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Man spricht auch von epigenetischer Veränderung bzw. epigenetischer Prägung. Die Veränderungen können sowohl in einer DNA-Methylierung als auch in einer Modifikation der Histone bestehen. Diese Veränderungen lassen sich im Phänotyp, aber nicht im Genotyp (DNA-Sequenz) beobachten.

 

Auch die modernen Neurowissenschaften widmen sich der Intelligenz und ergänzen das, was bereits die Biologie besagt. Unsere neuronalen Bahnungen im Gehirn verzweigen sich bereits seit dem Kleinkindesalter. Sie bilden ein „Gerüst“ aus Nervenzellen, mit denen wichtige Informationen zum Gehirn transportiert werden.
Ein bestimmtes Denken bahnt sich zumeist gern immer wieder dieselben neuronalen Wege durch unser Gehirn. Es folgt insofern gewissen Pfaden, die es wiederum selbst formt und immer weiter formt. In je mehr Richtungen wir denken, desto mehr neuronale Pfade schlagen unsere Nervenbahnen ein, desto intelligenter sind wir. Denken wir hingegen relativ einseitig, schlagen unsere neuronalen Bahnungen nur einseitige Pfade ein oder verkümmern sogar.




Weitere Infos
Emotionale Intelligenz

Dummheit & Gesellschaft

Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Intelligenzentwicklung