Hintergrundwissen "Wahrnehmungsfehler aufgrund Wissen und Vorerfahrung"

Mehrwert-Infos für Vielleser, Mehrwisser, Besserwisser

Vorinformationen

Bestimmtes Wissen und bestimmte Vorinformationen beeinflussen sowohl die Beobachtung und Wahrnehmung von Personen, Zuständen und Sachverhalten als auch die Urteilsbildung und Entscheidungsfindung.

 

Emotional behaftete Vorinformationen wirken dabei noch stärker als sachliche. So lassen sich z.B. Richter und Geschworene allein durch emotional aufgeladene Medienberichte unbewusst sehr stark in ihrer Urteilsbildung beeinflussen. 

 

Es geht aber vorab nicht nur darum, ob Vorinformationen richtig oder falsch sind: Die Vorinformationen allein wirken bereits an sich beeinflussend und sorgen für Voreingenommenheit, Informationsverzerrung und subjektive und ggf. falsche Urteilsbildung, insbesondere dann, wenn sie emotionsgeladen sind und ein persönliches Involvement erzeugen.

Besonders gravierend wirkt die Beeinflussung bei Menschen, die von ihrem Wissen bzw. Vorwissen bzw. ihren Erfahrungen bzw. Vorerfahrungen oder dem Glauben an dieses Wissen sehr überzeugt sind. Hier wird die klare objektive Sicht von vorne herein getrübt und es fehlt die Möglichkeit zur Offenheit für Neues oder Alternativen. 

 

Fehler aufgrund solcher Vorinformationen führen automatisch zu Voraus-Urteilen, die jedoch von allgemeinen Vorurteilen abzugrenzen sind. Ebenso führen Vorinformationen zu bestimmten Erwartungen, die sich aber nicht automatisch erfüllen, allein schon deshalb, weil die Qualität und Richtigkeit der entsprechenden Vorinformationen nicht immer vorliegt.

Wissen & Denken

Sowohl die Leistungsfähigkeit des Denkens (Intelligenz), als auch die Quantität und Qualität unseres Wissens beeinflussen die Beobachtung und alle weiteren Wahrnehmungs- und Denkprozesse. Ein leistungsfähigeres Gehirn kann zwar aufmerksamer sein und Denkprozesse etwas weniger (aus gehirnökonomischen Gründen) abkürzen; dennoch gibt es ein anderes gravierendes Problem:

Wer zu viel denkt und wer zu viel weiß bzw. auch falsch gelernt hat, lässt sich eher täuschen oder täuscht sich selbst - allein durch das bereits bestehende Wissen und die daraus resultierenden Denk-Muster. Umgekehrt gilt daher der Spruch, der im übertragenen Sinne der Bibel (Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums) entspringt: "Selig sind die, die arm im Geiste sind, denn sie werden das Himmelreich erblicken."

Zugleich ist dies auch der Grund, warum man in einigen professionellen Bereichen dahin tendiert, Kinder in wichtige Beurteilungs-Entscheidungsprozesse einzubinden und zu befragen. Das, was Erwachsene (ggf. auch falsch) gelernt haben, kennen Kinder ggf. noch nicht. Sie unterliegen weniger Wahrnehmungsfehlern als Erwachsene, allein schon, weil sie über weniger (falsches) Wissen verfügen und darüber hinaus ganz anders (weniger selektiv) und genauer beobachten.

Abrufbarkeit von Wissen

Wahrnehmung stellt einen komplexen Prozess der Informationsgewinnung durch die Verarbeitung von Reizen dar. Die Verarbeitung dieser Reize erfolgt im Gehirn über das Abrufen, Vergleichen und Bewerten bereits vorhandener Information im Gedächtnis. Diese Informationen basieren auf Erfahrungen und bereits gelerntem Wissen.

 

Die Informationen bzw. das vermeintliche "Wissen", das wir bereits aufgenommen, im Gehirn gespeichert, fest verankert und mental intuitiv verinnerlicht haben, bildet nun die Grundlage für neue Wahrnehmungen, Beurteilungen und Entscheidungen. Grundsätzlich stellt dies für das Lernen - und damit für die persönliche Entwicklung - einen praktischen Nutzen und Mehrwert dar, der von der Natur so gewollt ist.

 

Das Problem ist aber, dass die Informationen, die wir aufnehmen, speichern, verankern und verinnerlichen nicht immer richtig sind. Manchmal ist dieses Wissen einfach nicht mehr aktuell, manchmal aber auch schlichtweg falsch. Auf diesem falschem Wissen basieren dann alle weiteren Wahrnehmungen sowie unsere Urteile und Entscheidungen...

(Detail-Infos)

Abrufbarkeit von Medieninformationen

Eine besondere Rolle beim Erwerb von vermeintlichem "Wissen" spielen die Medien, insbesondere die Massenmedien. Über ihre hohe Zugänglichkeit und Abrufbarkeit stellen sie eine wichtige Plattform für den vermeintlichen Wissens-Erwerb dar - in mancher Hinsicht und in manchen Bereichen bilden sie – insbesondere im Zeitalter des Internets - sogar die Basis.

 

Ob dieses vermeintliche "Wissen" nun richtig und allgemeingültig oder gar einseitig und falsch ist, hinterfragen Menschen dabei zumeist ebenso wenig wie die Möglichkeit der indirekten oder sogar gezielt gesteuerten Beeinflussung – schließlich hat alles, was irgendwo "geschrieben" steht – eine "hoch offizielle" Wirkung und damit zugleich eine hohe subjektiv empfundene Wertigkeit, die unser Gehirn dann rein intuitiv und unbewusst als "richtig" eingestuft - selbst dann, wenn wir selbst bestimmte Informationen oder Quellen doch einmal bewusst hinterfragen... (Detail-Infos)

Beispiel: Menschenkenntnis

"Menschenkenntnis" ist eine von vielen Menschen angestrebte, auf "Wissen" und entsprechenden Vorinformationen basierende, vermeintliche "Fähigkeit", die dazu dienen soll, Menschen "richtig" einzuschätzen, "richtig" zu beurteilen und darauf basierend "richtige" Entscheidungen zu treffen.


Da wir nicht wissen, ob unsere Informationen und Vorinformationen überhaupt richtig sind und Menschenkenntnis zudem auf vermeintlichem Wissen in Form naiver subjektiver impliziter Persönlichkeitstheorien basiert, werden Wahrnehmungsfehler hier geradewegs provoziert. Menschenkenntnis basiert auf Vorurteilen und ist selbst ein Vorurteil in Bezug auf sich selbst. (Detail-Infos)

Beispiel: Vorurteile

Wegen unseres Wissens, unseres im Gehirn bereits fest verankerten "Beurteilungsmaterials" in Form bestimmter Theorien gehen wir mit bestimmten Vorurteilen an andere Menschen, Sachverhalte und Themen heran, wobei diese Vorurteile sowohl die Beobachtung als auch die Beurteilung selbst stark beeinflussen. (Detail-Infos)

Beispiel: Voraus-Urteile

Anders als Vorurteile, die auf Wissen und Informationen basieren, die bereits ohne vorausgehendes "Beurteilungsmaterial" in unserem Gehirn fest verankert sind und allgemeingültig scheint, basieren Voraus-Urteile auf konkreten Vorinformationen, die bereits im Gehirn gespeichert sind und auf die wir intuitiv zurückgreifen. (Detail-Infos)