Hintergrundwissen "Persönlichkeits-Typen"

Mehrwert-Infos für Vielleser, Mehrwisser, Besserwisser

Einführung
Der Begriff "Persönlichkeit" bezieht sich auf die charakterliche Individualität des Menschen und seiner zahlreiche Persönlichkeitseigenschaften sowie deren Unterscheidung von anderen. Wie wir selbst sind bzw. in unserem Leben werden und welchen Charakter wir entwickeln, entscheidet das Zusammenspiel von genetischen Anlagen, Erziehung und Umwelteinflüssen sowie dem, was wir selbst daraus machen, wie wir uns und andere wahrnehmen und aus dem Gegebenen etwas formen.

 

Kategorisierung
Aufgrund der Individualität von Anlagen, Einflüssen, Erfahrungen und Lernen bildet jeder Mensch grundsätzlich eine eigene Persönlichkeit heraus. Da es jedoch gewisse Ähnlichkeiten und ggf. Übereinstimmungen von Anlagen und Einflüssen gibt, hat man versucht, diese Ähnlichkeiten bzw. Übereinstimmungen in sogenannte Persönlichkeits-Typen zu kategorisieren und es kann manchmal durchaus hilfreich sein, sich mit dem etwaigen Typus seiner Persönlichkeit auseinanderzusetzen, zum einen, um sich selbst besser einzuschätzen, zum anderen, um die Unterschiede und Gegensätze zu anderen zu erkennen. Auch das macht unsere Persönlichkeit aus, die stets individuell ist. 

Beispiel
Ist man z.B eher ein beziehungsorientierter einfühlsamer Helfertyp, jemand der alles tut, um von anderen anerkannt und geliebt zu werden? Oder ist man ein eher sachlich kontrollierter selbstständiger Autonomist, der Grenzen zu anderen zieht, Wert auf Unabhängigkeit legt, am besten mit sich allein zurecht kommt, unabhängig sein will, anderen eher misstraut, jemand der andere oft verletzt, ohne es zu beabsichtigen? Oder hat man vielleicht eine eher zwanghafte, sicherheitsbedürftige Persönlichkeit, die Veränderungen aus dem Weg geht, nach Dogmen, Prinzipien und Ordnungsgesichtspunkten handelt und keine Doppeldeutigkeit mag? Ist man vielleicht doch eher eine risikofreudige und unternehmenslustige Persönlichkeit, die Verbindlichkeiten, Verpflichtungen, Präzision und Entgültigkeiten aus dem Weg weht, Strukturen und Regeln eher als Zwang ansieht, stattdessen das Neue und Unbekannte sowie die Improvisation und  Überraschung sowie die Selbstdarstellung und Bühne mag?

Persönlichkeits-Theorien
Es gibt viele unterschiedliche Persönlichkeits-Theorien und die unterschiedlichsten Versuche und Ansätze, Menschen in Persönlichkeits-Typen zu kategorisieren und zu klassifizieren. Welche Funktionen wesentlich sind und welche Kräfte mitwirken, wird in unterschiedlichen Persönlichkeitstheorien sehr unterschiedlich gesehen. So werden dem Verhalten von Menschen spekulativ bestimmte Ursachen (Motive) zugeschrieben (siehe: psychologische Attributionstheorie).

 

Subjektive Theorien
Die subjektiven Theorien, die der sogenannten "Menschenkenntnis" dienen, machen es sich zur Aufgabe, das Verhalten der Menschen im Alltag verstehbar, voraussagbar und auch kontrollierbar zu machen. Subjektive Theorien dienen ebenfalls der Orientierung des Einzelnen in der persönlichen Lebenswelt. Persönlichkeitstheorien hingegen verlangen systematisches, gesichertes Wissen.

 

Persönlichkeitstheorien der wissenschaftlichen Psychologie
Mit der Absicht, das Besondere einer Persönlichkeit in einem Eigenschaftsprofil zu beschreiben, unterscheidet sich die Persönlichkeitspsychologie von der Differentiellen Psychologie, die hauptsächlich auf die Vielfalt der Einzelmerkmale ausgerichtet ist.

In Deutschland waren lange die Begriffe "Charakter" und "Charakterkunde" üblich (Ludwig Klages, Philipp Lersch, Robert Heiß, Hans Thomae). Zu den Pionieren der Persönlichkeitsforschung in den angloamerikanischen Ländern gehören Henry A. Murray (1893-1988), Gordon Allport (1897-1967), Joy Paul Guilford (1897-1987), Raymond B. Cattell (1905-1998), Hans Eysenck (1916-1997) und Walter Mischel (geb.1930)


Forschungsansätze
Die Lehrbücher der Persönlichkeitspsychologie verweisen auf unzählige Persönlichkeitstheorien und teilen diese nach verschiedenen Gesichtspunkten ein. 

 

Beispiele für Forschungsansätze und Theorien:
- das psychoanalytische Paradigma,
- das behavioristische Paradigma,
- das Eigenschaftsparadigma,
- dsas Informationsverarbeitungsparadigma,
- das neurowissenschaftliche Paradigma,
- das dynamisch-interaktionistische Paradigma,
- das evolutionspsychologische Paradigma

bzw.:

- psychodynamischen Persönlichkeitstheorien,
- konstitutionstypologischen Persönlichkeitstheorien,
- philosophisch-phänomenologischen Ansätzen,
- Schichttheorien,
- humanistischer Psychologie,
- kognitiven Persönlichkeitstheorien,
- faktorenanalytischen Persönlichkeitstheorien,
- interaktionalen Theorien

  u.a.

 

Sicht- und Handlungsweise von ib
Anders als andere bzw. wie üblich und durchaus praktisch sind wir bei ib selbst weit davon entfernt, nach ganz bestimmten präzise festgelegten "Typisierungen" bzw. Persönlichkeits-Klassifizierungen vorzugehen oder diese gar zu empfehlen. In unserer eigenen Arbeit entscheiden wir jeweils ganz individuell, welches Modell ggf. am besten passen könnte, damit sich die jeweilige Person mit ihrem individuellen Charakter und ihrer konkreten Ausgangssituation im Vergleich zu den sonstigen, jeweils entgegengesetzten Persönlichkeitstypen am besten einschätzen und abgrenzen kann. Gegebenenfalls werden mehrere Modelle an der Person getestet, bis sich die Person genau wiederfindet, nicht nur aus ihrer Sicht, sondern auch aus unserer Sicht und der Sicht anderer (Dritter).

 

Beachtung finden sollte auch die moderne Erkenntnis, dass Persönlichkeitseigenschaften nicht mehr – wie früher oft angenommen – als starre Charakterzüge gelten, sondern als Verhaltenstendenzen, die sich über verschiedene Situationen und einen längeren Zeitraum hinweg manifestieren.

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